Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SONNENFLECK IM WANDLUNGSRAUSCH

Beobachtung eines gewaltigen Sonnenflecks mit auffallender Entwicklung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 14. September 1898 · Seite 11
Sein Scheiden wird allgemein betrauert. (Beobachtung des Sonnenfleckes.) Man schreibt uns: Sonnenflecke sind sehr veränderliche Gebilde, und ihre Umgebung ist oft sehr reich an Details. Sie erscheinen stets am östlichen Rande, (wenn sie sich nicht oft während eines Tages auf der Sonnenscheibe bilden), rücken dann vor und verschwinden am westlichen Rande, bleiben etwa 13 Tage aus, um abermals am Ostrande aufzutauchen. Daraus schließt man auf die Rotation der Sonne mit vollem Recht, aber genau lässt sich die Rotalionszeit doch nicht bestimmen, weil auf der Sonne unbedingt Strömungen vorhanden sind, vielleicht ähnlich unseren Passaten. Diese Flecke haben oft gewaltige Durchmesser, den der Erde oft 3 bis 30, ja noch mehr, 70mal und darüber übertreffend. Nun kann man sich erst vorstellen, welch gewaltige Revolutionen aus dem Sonnenballe stattfinden, welche unermessliche Kraft sie besitzt, wenn sie ihre Massen auf Entfernungen von 30 bis 40 000 Meilen in den Weltraum schleudert, — ja sogar bis zu einem halben Sonnenradius, das sind 350. 000 Kilometer! Als ich den Fleck beobachtete, war er gewiss schon 4 Tage alt. er fiel mir aus, ich nahm ihn ins „Feld ". Am 6. und 7. September zeigte er eine mehr runde, etwas ausgezackte Form mit ziemlich breiter Penumbra ( Halbschatten), sein; Umgebung war wie zerrissen, ich zählte 9 Poren (kleine Flecke), am 8. September aber früh 9 Uhr war zu meinem Erstaunen der Flecken viel größer, von Ost gegen West in die Länge gezogen, die Penumbra sehr stark entwickelt, und seine Umgebung, besonders gegen Osten vollkommen zerrissen mit 2 etwas größeren Flecken und stark leuchtenden Stetten ( Fackeln, Protuberancen). Ich zählte 17 Poren. Der Durchmesser des Fleckes übertrifft den der Erde um das 4fache. Ich beobachtete mit 120maliger Vergrößerung, wie wird sich aber erst der Fleck zeigen mit 300 bis 400maliger Vergrößerung?
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. September 1898, S. 11, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6337-beobachtung-eines-gewaltigen-sonnenflecks-mit-auffallender-1898).

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