DeptewSer. Neues aus der Fahrradtechnik. Von W. Berdrow ( Ingenieur). (Nachdruck verboten): Die Hauptbestrebungen der Fahrradtechniker, die das leichte Instrument des modernen Verkehrs in wenigen Jahren so weit gefördert haben, dass es säst reibungslos arbeitet und dass eine weitere Verbesserung im Sinne des leichten Laufes kaum noch durch constructive Aenderungen zu erreichen sein wird, sind nun allenthalben bestrebt, die Kraft des Menschen Beim Bewegen der Fahrräder durch die eines Motors zu unterstützen. Von den eigentlichen Motorwagen, die viel zu schwer sind, als dass der vorübergehende Antrieb durch Menschenkraft bei ihnen überhaupt noch in Betracht kommen könnte, sehen wir dabei ganz ab und denken nur an die Bemühungen, auf einoder mehrsitzigen Zwei ' ädern die Arbeit der Fahrer vorübergehend oder dauernd durch leichte Maschinen zu unterstützen. Diese Bemühungen aber sind in fast allen namhaften Fahrradsabriken Englands, Frankreichs und Amerikas und wenigstens in einem großen Theil der deutschen Fabriken so rege, dass man fiiglich sagen könnte, die Fortschritte der jüngsten Zeit in. der Fahrradtechnik concentrieren sich fast ausschließlich auf diesen Punkt. Dabei lässt sich nicht leugnen, dass die Erfolge den Bemühungen keineswegs entsprechen. Von den zahlreichen Motorfahrrädern, die im Laufe der letzten Jahre erfunden worden sind, hat sich nicht ein einziges stärker einzubürgern vermocht und es ist kaum zu erwarten, dass es den neuesten Constructionen besser ergehen wird. Fast durchweg werden die Fahrräder durch den Anbau wenn auch noch so kleiner Antriebsmaschinen mit ihren Ucbertragungen, Heizstoffreservoirs oder Accumulatorn derart verunziert und, was noch schlimmer ist, mit einem todten Gewichte beschwert, dass ein rechter Fortjchritt in diesen Einrichtungen nicht zu erkennen ist. Unter den neueren Erfindungen dieser Gattungen ist als eine der besten das Motorzweirad der französischen Firma Werner u. Comv. zu erwähnen, dessen Gewicht durch die Hinzufügung eines dreiviertelpserdlgen Petrotenmmotors nebst Reservoir nur um 15 Kilogramm erhöht wird. Das bedeutet freilich für ein einsitziges Fahrrad noch immer eine Gewichtsverdoppelung. Ein besonderer Vorzug dieser Construcrion ist es, dass d. rs Hinterrad ganz wie gewöhnlich durch ein Ketten und Kurbelgetriebe vom Fahrer selbst in Bewegung gesetzt wird, während der vorn am Sleuerrobr befestigte Motor durch einen Schnurantrieb das Vorderrad in Umdrehung setzt. Das 2 % Liter fassende Petroleumgefäß sitzt oben am Rahmen der Maschine und soll eine Fahrt von 120 Kilometer vis zur Neufüllung gestatten. Man kann also diefis Rad nach Belieben durch die Kurbel öder in schwierigem Gelände, bei Gegenwind oder Ermüdung durch die Maschine antreiben und kann endlich auch die letztere nebst dem Reservoir zeitweilig ganz entfernen. Dte weit schwereren ein oder zweisitzigen Motorräder der Humber Comp., das Pope Manufacturing Co. und anderer Firmen werden schon ihres unschönen Aussehens wegen sich vorläufig wenig Freunde erwerben. Ueberhaupt scheint für den Antrieb so leichter Fahrzeuge der richtige Motor noch mcht erfunden zu sein, vielleicht dass der neuerdings vervollkommnte und von einer italienischen Firma bereits für den Antrieb von Fahrrädern benutzte Acetylenmotor einen Fortschritt auf dieser Bahn bedeutet.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 23. September 1898, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6339-neue-versuche-zur-unterstuetzung-des-fahrradfahrers-durch-anbau-von-1898).
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