Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
UNVOLLKOMMENES GOTISCHES PERLEN

Ehrenwerthe Zierde Innsbrucks: St. Nikolaus-Pfarrkirche als gotisches Kunstwerk und noch in Ausstattung

(Die St. Nikolaus - Pfarrkirche.) Nach dem übereinstimmenden Urtheile der Kunstkenner, welche die Stadtpfarrkirche zu St. Nikolaus besuchten, gehört diese zu den allerschönsten gothischen Kunstbauten Tirols, alles so aus einem Guss, so stilgerecht, so schlank und erhaben, so edel und aufwärts strebend, ein Zursura corda, „auswärts die Herzen ", in Steinen! Dabei ein prächtiges Material, ein vom Domchor - Director Weber in Mainz nobel zusammengestimmtes Geläute ( ausgeführt von der Firma Grassmair in Willen), ein hoch ln die Lüfte ragender Thurm — das alles bildet eine ehrenvolle Zierde der Landeshauptstadt. Wer Innsbruck besucht und auf Kunstsinn nur irgendwelchen Anspruch macht, wird es kaum unterlassen, auch dem gothischen Prachtbau in St. Nikolaus einige Minuten zu widmen. Solche Besuche bringen oft ganz ehrenvolle Ergebnisse mit sich. Neulich kam aus Norddeutschland eine Deputation, um das Geläute zu hören und dann in der Heimat ein solches anzuschaffen. Bald darauf erfolgte eine Anfrage für Millhill in England über mehreres in unserer Kirche, besonders über die Chorstühle, die man draußen im fernen Großbritanien ganz genau will nachmachen lassen. — Aber dieser Zierde Innsbrucks fehlt noch manches an der innern Ausstattung, welche dem großartigen Bau entsprechen muss. Einem so monumentalen Werke darf auch innerlich nichts Wertloses eingefügt werden, nein, es muss alles zusammenstimmen. Gegenwärtig sind die Stationen und der zweite Seitenaltar in Arbeit und der dritte und vierte Seitenaltar wird soeben begonnen. Soweit man bis jetzt urtheilen kann, wird alles in wahrhaft künstlerischer Weise vollendet, es kostet aber auch Geld. — Noch fehlen die Kanzel, die Beichtstühle, die meisten Fenster nebst dem oben Genannten, was erst in Arbeit steht. Mögen die wohlhabenden und kunftliebenden Bewohner Innsbrucks sich manchmal dieser herrlichen Werkes erinnern, das noch seiner Ausschmückung harrt und einst nach seiner Vollendung wähl eine der ersten Sehenswürdigkeiten der schönen Landeshauptstadt bilden wird.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 31. Dezember 1898, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6369-ehrenwerthe-zierde-innsbrucks-st-nikolaus-pfarrkirche-als-gotisches-1898).

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