Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
RHABARBER ALS MURMELREZEPT

Neues Rezept zur Erzeugung von Gemurmel im Burgtheater: Rhabarber-Wiederholung

(Rhabarber!) Von der Komparserie im Burgtheaier erzählt der Wochenplauderer des „Wiener Fremdenblatts ": Das Gemurmel der Volksmassen klingt jcht viel natürlicher, als dies im Burgtheater in früheren Jahren der Fall war. Es hört sich viel dumpfer und demgemäß auch weniger „ gemacht " an. Und das kommt daher, weil man für das Gemurmel neustens ein ganz neustes Recept erfunden hat. Früher sagte man den Komparsen und Statisten nur immer, sie sollcN, wenn sie da Gemurmel darzustellen hatten, unartikulierte Laute zu Gehör bringen: bloß die Tonstärke regulierte man. Nunmehr ist es aber anders. Jetz: hat jeder Komparse bei solchem Anlass den Auftrag, sobald vom Jnspicienten das Zeichen znm Gemurmel gegeben wird, das Wort „Rhabarber " unaufhörlich zu wiederholen. Das gibt dann ein wunderbares murmelndes Tonbild. Es brauchen blos 10 Menschm zusammentreteu und mit halblauter Stimme, selbstverständlich nicht im Tact: Rhabarber — Rhabarber — Rhabarber — Rhabarber — Rhababer zu sprechen und man wird im ncbenstehenom Zimmer glauben, es murmle eine ganze Menge die verschiedenartigsten Wo te. Das ist hauvtsächlich auf die beiden im Klange so verschiedenen „ a " zurückzuführen, welche in diesem Namen Vorkommen. Rhabarber! W ^ r Härte g glaubt, dass dieses, von den Alten so hochgeschätzte, in der Neuzeit so stark herabgekommene Kraut irgend einmal künstlerffcheu Character erhalten würde!
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. Jänner 1899, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6373-neues-rezept-zur-erzeugung-von-gemurmel-im-burgtheater-rhabarber-1899).

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