Da man die Rache seitens der Neger befürchtet, wurde beim Gouverneur um die Entsendung von Truppen angesucht Graf Hohenwart gestorbrn. Wien, 26. April. Der Präsident des Obersten Rechnungshofes und ehemaliger Ministerpräsident Graf Hohenwart ist heute gestorben. Karl Graf Hohenwart zu Gerlachstein, Rabensberg und Raubach. war geb. 12. Februar 1824 zu Wien. Er studierte am Theresianum. Als Graf Anton Auersperg 1848 sein Mandat für den Frankfurter Reichstag niederlegte, wurde Hohenwart an seiner Stelle von der Stadt Laibach in diese Versammlung gewählt, hat aber das Mandat nicht ausgeübt. Er trat in den Staatsdienst und wurde 1859 Comitatsvorstand in Fiume, 1860 Kreis v orsteher in Trient und gleich darauf Statthaltereirath und Landespräsident in Laibach. Wegen eines formellen Conflictes schied er damals nicht im besten Einvernehmen mit der Bürgerschaft aus Laibach. Im Jahre 1862 war er Leiter der Statthaltereidelegation in Trient. Unter Belcredi wurde er 1866 Landespräsident in Kärnten, unter Giskra 1868 Statthalter in Oberösterreich. Gegenüber den Kämpfen der Clericalen wieder die Decemberverfaffung, erklärte er am 31. August 1868 bei Beantwortung einer Interpellation im oberösterreichischen Landtage, er werde die Gesetze über Ehe, Schule und die interkonfessionellen Verhältnisse als Gegenstand besonderer und unausgesetzter Aufmerksamkeit nach allen Richtungen und ihrem ganzen Umfang nach betrachten und darauf sehen, dass ihnen nach der Verfügung des Ministeriums entsprochen werde. Für den Antrag Rappolter auf Aufhebung des Eheconsenses trat Graf Hohenwart am 1. Oct. 1869 im Landtage ein. In dem Streite der Regierung mit Bischof Rüdiger, der dem Aufträge, die Ehegerichtsacten den weltlichen Gerichten zu übergeben, offenen Widerstand entgegensetzte, fiel dem Statthalter Grafen Hohenwart die Aufgabe zu, gegen den Bischof strasgerichtlich einzujchreiten und seine gewaltsame Vorführung vor den Richter zu veranlassen. Am 16. Oktober 1869 vertheidigte er die Schulgesetzgebung im Landtage gegen die Angriffe des Bischofs. Die liberale Majorität des Landtages sprach dem Statthalter für diese Rede den Dank aus, und als dann unter Potocki Neuwahlen für den Oberösterreichischen Landtag ausgeschrieben wurden, erhielt Gras Hohenwart ein Mandat des liberalen Großgrundbesitzes. Am 7. Februar 1871 erschien das kaiserliche Handschreiben, mit welchem nach der Demission des Cabinets Potocki Graf Hohenwart zum Ministerpräsidenten und zum Minister des Innern ernannt wurde. Er wollte mit Hilfe der Föderalisten regieren und bezeichnete sein Cabinet als das „ Ministerium über den Parteien ". Er kündigte eine Erweiterung der legislativen Competenz der Landtage an.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. April 1899, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6416-tod-des-ehemaligen-ministerpraesidenten-graf-hohenwart-1899).
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