(Im kaiserlichen Schlosse St. Petersberg) bei Silz wird gegenwärtig, wie man uns aus Silz berichtet, der seit dem Brande im Jahre 1857 verödet gebliebene Theil zwischen der Kapelle und dem Thurme auf der Südseite wieder ausgebaut. Man hofft bis Ende Juni damit fertig zu werden, so dass die Vorstehungen, das Lehrpersonale und die Zöglinge der Ösficrerstöchter- Erziehungsinstitute von Hernals und Oedenburg, zu deren Ferienaufenthalte das Schloss von Sr. Majestät dem Kaiser in hochherziger Sorge für das Wohl dieser Anstalten gewidmet wurde, in den diesjährigen Ferien die Räume bedeutend vergrößert und verschönert vorfinden werden. Wie man hört, soll heuer eine weit größere Zahl von Zöglingen ( über 100) an der Wohltat des Sommeraufenthaltes in Petersberg t heilnehmen und im Reize der verjüngten alten Burg aus dem lindenumschatteten Schlosshügel die Tiroler Gebirgslust genießen. Die wechselvollen Schicksale des schon in früheren Jahrhunderten wiederholt im Besitze des Landesfürsten gewesenen Schlosses St. Petersberg haben hiedurch eine neue Wendung erfahren. Anstalt des Schwerterklirreus geharnischter Ritter ertönt jetzt dort der Jubel glückstrahlender Mädchen, die „ den Stuben entronnen auf luftigen Höh ' n ", in Gesellschaft mit den gefiederten Sängern im Schlossparke sich wohl fühlen wie die frischen Forellen im Teiche von Petersberg. Seitens der Bevölkerung wird dieser Widmung des Schlosses warme Sympathie entgegengebracht. Zum Schlosse gehört auch ein für tirolische Verhältnisse nicht unbedeutender Grundcomplex, welcher bisher durch die hier bestandene k. u. k. Gutsverwaltung bewirtschaftet wurde. Leider machten die hier bestehenden besonderen Verhältnisse, wozu in erster Reihe die gegenüber anderen Ländern meist unverhältnismäßig hohen Taglöhne zu zählen sind, den Fortbestand der eigenen Bewirtschaftung des Gutes nach dem bei den a. h. Foudsverwaltungen üblichen Systeme unthunüch und so wurde die Verwaltung ausgelassen und das Gut stückweise verpachtet. Man hat hier vielfach sehr bedauert, dass es so kommen musste — bedauert nicht allein aus sachlichen Rücksichten, sondern auch darum, weil mit der Auflassung der Selbstbewirtschaftung auch der k. u. k. Verwalter Heinrich Ritter v. Männer, ein in weitesten Kreisen der Landwirte als hervorragender Fachschriststeller und hochintelligenter Landwirt bekannter Herr, von Silz scheiden musste. Herr v. Männer hat hier trotz nur sechsjährigen Aufenthaltes, und obwohl er durch dienstliche Schranken in vielfacher Hinsicht beengt war, im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt, insbesondere aus landwirtschaftlichem Gebiete anerkannt Nützliches geleistet. Dazu war er noch ein bei Hoch und Nieder allzeit gern gesehener Herr, dessen vornehme Gesinnung, verbunden mit großer Liebenswürdigkeit, allgemein hochgeschätzt wurde.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. Juni 1899, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6438-neuerung-am-schlosse-st-petersberg-ferienaufenthalt-fuer-1899).
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