Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DUNKEL UND NASS – ABER NICHT OHNE EHRE

Enthüllung des Denkmals für Decan Hörfarter in Kufstein trotz Regens

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 13. September 1899 · Seite 10 · #Denkmale – Gemeinden
LOS a « 13 September Die Enthüllung des Denkmales für Decan Dr. Matthäus Hörfarter in Kufstein. Kufstein, 11. Sept. Trotzdem dass der Regen unaufhörlich niederströmte und die Nebel um die Höhen zogen, erglänzten doch aus dem Dunkel einige Bergfeuer und eine von Kufstein ins Kaiserthal hieneinziehende Flammenzeile gemahnte an den. welcher das Kaiser thal erschlossen, an Decan Hörfarter. Die schlaff niederhängenden Fahnen, — fast an jedem Hause waren solche zu sehen —, bezeugten, dass der Regen in eigenwilliger Ausdauer verharre. Trotzdem war ganz Kufstein auf den Beinen und ein Meer von Regenschirmen wogte am 10. September vor dem Magistratsgebäude ineinander. Den Festgottesdienst um 10 Uhr celebrierte der Stadtpfarrer und Decan Dr. Jakob Margreiter. Nach demselben harrte man der Dinge, die da ksmmen werden. Von denen aber, welche lange nicht kamen, seien die Musiker des Orchesters erwähnt. Man fragte sich, wo wird das Weihelied von Martin Greif gesungen, wo wird gesprochen? Die erste Frage lösten bald nach 11 Uhr die mächtigen Töne der Composition des Kufsteiner Musikdirectors Friedrich Seitz, welcher das innige, herzwarme Gedicht Martin Greifs so prächtig zu vertonen verstanden hatte. Später drängte alles aus der Kirche und neben dem Denkmal hielt Prost ssor Dr. S. M. Prem, der bekannte Literarhistoliker, seine Festrede. Er hob Matthäus Hörfarter als einen „ Pionnier der Cultur in unserem eisernen Jahrhundert " hervor. Aus dem Leben des allbeliebten, menschenfreundlichen, deutschen Priesters sei an dieser Stelle nur weniges erzählt. Er wurde am 11. September 1817 zu Kösstn geboren und wandte sich, durch einen tragischen Vorfall dazu bestimmt, freiwillig der Theologie zu, welcher er früher das Studium der Medicin tzorgezogen hatte. Als Erzieher an einem fürstlichen Hofe fand er Gelegenheit, sich durch weite Reisen zu bilden. Philosophische, naturhistorische, kunsthistorische Studien beschäftigten den priesterlichen Encyklopädisten Zeit seines Lebens. „ Hörfarter setzte sein ganzes Können daran, den Menschen ein Helfer und Tröster zu sein, er predigte den Frieden und war stets ein guter Bürger und ein deutscher Patriot ". Und weiter erzählte der Redner: Im Jahre 1869 stand der edle Priester und Menschenfreund an dem Sterbelager einer armen Witwe, die thränenden Auges an ihre acht unmündigen Kinder dachte. Hörfarter tröstete sie und versprach der sterbenden Mutter für ihre Kinder zu sorgen. Als sie die müden Augen geschloffen hatte, nahm er die Erziehung der Kinder in die Hand und sorgte väterlich für
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. September 1899, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6496-enthuellung-des-denkmals-fuer-decan-hoerfarter-in-kufstein-trotz-1899).

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