Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GOTT ALS KOMMANDANT DER BURENS

Buren betrauern gefallenen englischen General und bekennen ihr Recht auf Freiheit

Oetober Burengeschichten und Burenschlachten. Von Hugo Weiße. (Nachdruck verboten.) Das Treffen am Majuba - Hügel war vorüber. Auf der Wahlstatt fanden die siegreichen Buren unter den zahlreichen Todten einen hohen feindlichen Osficier und ein in ihre Hände gefallener Zeitungscorrespundent sagte ihnen, es sei kein Geringerer, als der engl sehe General selbst, Sir George Collay, der Gouverneur der Cap - Colonie. Nur schwer wollten sie daran glauben; als sie sich aber endlich von der Wahrheit der Angabe überzeugt hatten, umstanden sie in tiefer Bewegung die Leiche des gefallenen Feindes. „ Er focht tapfer ", sagte d. r Eine. „ Er glaubte nicht an unser Unrecht ", meinte ein Anderer, „ aber er war Soldat und musste gehorchen ". Und ein Bnr fügte hinzu: „ Es war unnütz, gegen Männer zu kämpfen, die das gute Recht auf ihrer Seite haben. " Nichts kann prägnanter, als dies Wort, das felsenfeste Vertrauen bezeichnen, das die Buren stets zu der Gerechtigkeit ihrer Sache hatten Sie sind unerschütterlich davon überzeugt, dass Gott selbst ihre Sache führt, und die Rapporte ihrer Militärs erinnern darum nicht selten an ähnliche Schrislstücke aus der Cromwell - Zeit. So heißt es in General Jouberts amtlichem Berichte über das Majuba - Treffen: „ lieber all unsere Erwartungen stand uns der Herr bei und der höchst wunderbaren Befreiung und Hilfe durch den allherrschenden. mächtigen Gott schreiben wir alle unseren Sieg zu. " Vom Präsidenten und Feldherrn bis zum letzten Farmer und Scharfschützen sind diese Buren erfüllt von dem echt niedersächsischen Gefühle und der eisernen Ueberzeugung, dass Recht Recht bleiben müsse; und nur eine Empfindung vermag daneben noch aufzukommen: der unausrottbare, zuweilen nur unter der Asche glimmende, aber stets wieder hoch ausflammende Hass gegen England und die Engländer. Wie alt er ist. mag ein Zeugnis aus dem Ende der dreißiger Jahre lehren. Damals waren die Buren nach Natal gezogen; der zu ihnen gesandte Major Charteris berichtete, er habe sie fast alle in einem jämmerlich schmutzigen und armseligen Zustande gefunden, während sie doch in der Capcolonie vorher zumeist in recht guten Verhältnissen gelebt halten. Dennoch wollten sie ihre Armuth und ihr Elend nicht mit dem Comfort unter engllscher Herrschaft vertauschen. Ihr ganzer Wunsch sei, man solle sie sich selbst überlassen und nur nicht belästige. „ Dieser Geist der Abneigung gegen englische Herrschaft war besonders unter Frauen herrschend.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. Oktober 1899, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6510-buren-betrauern-gefallenen-englischen-general-und-bekennen-ihr-1899).

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