Aus Stadt und Land. (Die Deputation der Gemeinde - Vertretung), bestehend aus den Herren Bürgermeister Franz Greil, Vicebürger meistern Dr. Wenin und Dr. Erler, Altbürgermeister Dr. Mörz und den Gsmeinderäthen Jnnerhoser und Margreiter, die gestern vormittag in der Hofburg in Audienz erschien, wurde vom Erzherzog Eugen in der liebenswürdigsten Weise empfangen. Dem „ Tiroler Tagbl. " wird hierüber Folgendes mitgetheilt: „ Bürgermeister Greil hielt an den Erzherzog eine ehrfurchtsvolle Ansprache, in der er u. a. der Freude der Bewohnerschaft Innsbrucks über den Einzug eines kaiserlichen Peinzen warmen Ausdruck verlieh und die Hoffnung aussprach, dass Se. k. k. Hoheit sich in Innsbruck recht wohl fühlen und recht lange vernnilen werde. Erzherzog Eugen erwiderte hierauf in überaus freundlicher Weise, indem er sich besonders über den feierlichen Empfang, der ihm bereitet wurde, sehr anerkennend aussprach. Weiter bemerkte der Erzherzog, dass er gestern einen Spaziergang durch Innsbruck gemacht habe und ihm hiebei der Aufschwung, dm die Stadt in den letzten Jahren genommen hat, sehr ausgefallen sei und glaube er, es wäre sehr wünschenswerth, dass sich Innsbruck und die Vororte zu einer großen Stadt vereinigen möchten. Bürgermeister Greil erwiderte hierauf, dass diesbezügliche Unterhandlungen schon seck langer Zeit im Zuge seien. Sodann ließ sich Erzherzog Eugen die einzelnen Herren der Deputation vorsteüen und unterhielt sich mit Dr. Wenin über den doch in den Volksscenen zumeist 400 bis 500 Personen beider Geschlechter und aller Atterstufen bis zum vierjährigen Kinde herab vertreten; sie liegt ferner in der unübertroffenen Betheiligung jedes Einzelnen an der drama sichen Handlung welche so kunstvoll durchdacht und doch so natürlich erscheint, dass man nicht weiß, ob man der geschickten Oberleitung des ganzen oder der kunstsinnigen Anstelligkeit jedes einzelnen mehr Anerkennung zollen soll. Ueber die Entstehung der Oberammergauer Passionsspiels berichtet das officielle Spielbüchlein, das den Titel führt: „ Das große Versöhnungsopfer auf Golgatha oder die Leidens und TodesgeschichLe Jesu nach den vier Evangelisten, mit bildlichen Vorstellungen aus dem alten Bunde, zur Betrachtung und Erbauung ", Folgendes: „ In der allgemeinen Noth, welche die Pest in dem Jahre 1633 über das Thal brachte, suchte die Gemeinde bei dem Allmächtigen Hilfe mit einem feierlichen Gelübde, alle 10 Jahre die Leidensgeschichte Jesu zur dankbaren Verehrung und erbaulichen Betrachtung öffentlich vorzustellen, als ein heilsames Mittel, das Leiden und Sterben des Erlösers allen kommenden Geschlechtern des AmmerLhales tief einzuprägen, heilige Entschlüsse bei ihnen zu wecken und aus die Besserung ihres Leben? zu wirken. " Ein Wallfahrtsfest ist es den Landleuten noch heute, die sich durch den Besuch des Gnadenbildes im benachbarten Kloster Ettal auf das Spiel vorzubereiten pflegen und gleich Pilgern singend und betend das Dorf betreten, denn den: sch ichten süddeutschen Landvolk ist das Passionsspiel eine Art Gottesdienst, ein Mittel für die Erzeugung der Andacht. Fremdenverkehr in Tirol, mit Dr. Erler über die Verhältnisse der Advokatie in Tirol, sprach mit Dr - Mörz über dessen frühere Thätigkeit als Bürgermeister, mit Gemeinderach Margreiter, dem Obmann der alpinen Rettungsgesellschaft über die Einrichtungen der letzteren und mit dem Gemeinderath und Schützenrath Jnnerhoser über das Schützenwesen in Tirol.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. April 1900, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6583-audienz-der-innsbrucker-deputation-beim-erzherzog-eugen-1900).
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