Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
INGENIEURE FEHLEN – BAUPROJEKTE STEHEN

Antrag auf Vermehrung der technischen Hilfsorgane und Neuregelung der Diätenbezahlung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. Mai 1900 · Seite 2
Antrag Dr von Gnggenberg und Genossen, dass die Zahl der technischen HiLfsorgane bei den politische Bezirksbehörden entsprechend vermehrt und die Bezahlung der Reisekosten und Diäten ans dem Staatsschätze oder aus einem durch Einhebung eiuheitlicher Taxen zu bildenden Fonde geleistet werde. Abg. Dr. v. Guggenberg sagt, dass sich der Verkehr in erfreulicher Weise stetig hebe, dass größere industrielle Werke erstehen, elektrische Anlagen erbaut werden und dadurch die Wasserkräfte des Landes in nützliche Verwendung kommen. Zn all diesen verschiedenen Unternehmungen sei jedoch die Bewilligung der politischen Behörde nothwendig, welche ihrerseits dieselbe erst dann gewähre, wenn sie das technische Gutachten eingeholt habe. Nun bestehe aber ein ziemlich starker " Mangel an technischen, staatlich angestellten Organen, er verweise darauf, dass bei den Bezirkshauptmannschaften Lienz, Ampezzo, Brixen, Kitzbühel, Landeck gar keine technischen Hilfsorgane seien. Dieser Mangel an Ingenieuren habe zur Folge, dass derartige Unternehmungen, welche eines technischen Gutachtens bedürfen, oft bedeutende Verzögerungen erleiden, welche meistens mit materiellen Schäden verbunden sind. Dann wendet sich Redner gegen die Bezahlungsweise des technischen Personals, welche bis jetzt in der Weise erfol „ e, dass der betreffende Beamte seine Reisespesen und Diäten, welche bei den Erhebungen behufs Abgabe eines Gutachtens erwachsen, von der betreffenden Partei einhebe. Daraus ergeben sich natürlicherweise viele Uebelstände und Unannehmlichkeiten sowohl für die Parteien als auch für die betreffenden Beamten, außerdem erscheine es geradezu unbillig, dass eine Zufällig weiter vom Sitze eiues Ingenieurs wohnende Partei infolge dessen zu ungleich höheren Ausgaben veranlasst werde. Das scheine ihm unbillig zu sein und einer Abänderung dringend bedürftig. Redner glaube, dass die Staatsverwaltung, wenn sie Forderungen im öffentlichen Interesse stelle, die Verpflichtung übernehme, für die Deckung der Kosten aus dem Staatsschätze zu sorgen, oder, falls dies nicht möglich sei, es so einzurichten, d. ss einheitliche Taxen eingefnhrt werden. Aus diesen ließe sich durch die Stallhalterei ein Fond gründen und daraus könnten die Ingenieure die Reisekosten und Diäten ausbezahlt bekommen. Eine solche Art der Bezahlung halte er auch für passender für die Amtsorgane selbst, viele Vorwürfe würden ihnen erspart bleiben. Mit seinen Ausführungen, schließt der Abg., glaube er genügend gezeigt zu haben, dass dcks Bedürfnis nach Ingenieuren, beziehungsweise einer Vermehrung derselben wirklich vorhanden, andererseits aber auch die Forderung nach einer anderen Bezahlung ebenfalls gerechtfertigt sei.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Mai 1900, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6596-antrag-auf-vermehrung-der-technischen-hilfsorgane-und-neuregelung-1900).

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