Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
REICHE ERBIN OHNE EHEBINDUNG

Tod der reichen Jungfer von Mals – Freifrau Krescenz v. Federspiel bestattet

Am 31. Dez. wurde in Mais bn Meran die Freifrau Krescenz von Federspiel, im Vintschgau gemeinhin „ die Gnädige von Mals " genannt, zur Erde bestattet. Sie hmtcrlaßt ein Vermögen von 400,000 fl., an Barschaft 8000 fl -, an Silbergeschirr 1 Zentner im Gewicht. Ihre Mutter, eine geborne Baronin v. Buol, war die Schwester des ehemaligen Bischofs von Cbur, Rudolf v. Buol - Schauenstein. Jbr Vater. Baron v. Federspiel, war weiland Verwalter des dem Bistbum von Chur gehörigen Schlosses und der Güter von Fürstenburg bei Mals. Sie wurde, der Schützenzeitung zufolge, auf Schloß Fürstenburg geboren und lebte dort 38 Jahre; spater zog sie nach Mals. Im Herbste bewohnte sie gewöhnlich auf einige Zeit ihr freundlich gelegenes kleines Schloß in Obermais bei Meran. Ihr Vater starb in den schönsten Jahren, nach der Volkssage an einem Uebel, das er durch einen unversehens verschluckten Diamanten sich zugezogen. Die Freifrau hatte sich nie entschließen können ihre Hand zu vergeben, obwohl es an Freiern nickt gefehlt hat, die, von dem Rufe der reichen Dame angelockt, einst in stiller Sehnsucht NLch ehelichem Glücke in ' s Vintschgau pilgerten. In ihrer äußern Erscheinung wie in ihrem Haushalte hatte sie ihre Eigenheiten, besonders in spätern Jahren. Sie mochte übrigens in der allereinfachsten Kleidung erscheinen, flimmernde Diamanten an den Finger und Ohrringen durften nie fehlen. Ihre Haustkiere hatten sich ihrer besonderen Aufmerksamkeit und Huld zu erfreuen Ein Pferd, das schon in Diensten ihres Vaters gestanden, genoß lebenslang das Gnadenbrod und die sorgsamste Pflege, bis es endlich nach Jahrzehnten nach jahrelanger Untätigkeit die Augen sckloß, und eine Gans schnatterte an 30 Jadre zu Ehren ihrer Gebieterin. Obwohl sparsam nach allen Richtungen, hatte sie ihre sehr weitläufigen Besitzungen zu den billigsten Bedingungen verpachtet, und es dürfte schwerlich erhört worden sein, daß die „Gnädige von Mals " einen Pachtzins steigerte. Kein „ fechtender " Student ging aus dem Federspiel ' schen Hause, ohne daß sein Zeugniß mit einem Thater oder ein paar Zwanzigern beschwert worden war. Sonst liebte sie es, im Stillen Wohltharen zu spenden, und das zeugt am besten für das edle Herz der jungfräulichen alten Dame.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. Jänner 1859, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/660-tod-der-reichen-jungfer-von-mals-freifrau-krescenz-v-federspiel-1859).

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