Das Fest verlief in fröhlichster Stimmung. (Kinematograph Lumisre.) Was mag den Kinematograph wohl für ein Ding sein? So wird sich mancher wohl fragen, der noch nie ein Experiment wie dieses gesehen. Der Kinematograph ist eine der sinnreichsten und interessantesten Erfindungen der Neuzeit auf dem Gebiete der Elektricität in Vereinigung mit Photographie und Optik, und bezweckt, dass wirkliche Begebenheiten aus dem Menschenleben und Naturerscheinungen täuschend und so naturgetreu wieder dargestellt werden, wie sie auf photographischem Wege seinerzeit ausgenommen und festgehalten wurden. Irgend eine beliebige Handlung ist auf einer präparierten Gelatinrolle, welche aus schier zahllosen, winzig kleinen und unmittelbar aneinandergereihten Bildchen besteht, für immer fixiert. Infolge dessen kann eine Begebenheit nach Belieben wiederholt werden, so lange das Materiale tauglich ist. Die Vorführung muss bei herbeigeführter vollständiger Dunkelheit stattfinden und wird dadurch hervorgerufen, dass vom Hintergründe des Raumes aus, wo man sich befindet, ein intensiver elektrischer Lichtstrahl auf die vor den Zuschauern in einem meist sehr großen Rahmen ( in unserem Falle 36 Quadrat - Meter) postierte gespannte Leinwand geleitet wird. Zugleich wird die für das gewünschte lebende Bild erforderliche Rolle Bilder knapp hinter dem ausströmenden Lichtkegel mit größter Schnelligkeit durch sinnreiche Vorrichtung vorübergezogen und die Handlungen, wie sie sich zugetragen, erscheinen mittelst eines optischen Apparates in natürlicher Größe ganz getreu auf der Leinwand. Wer diese Vorführungen noch nicht beobachtet tat, wird erstaunt sein, was für einen wahrhaft schönen, je nach dem Sujet manchmal sogar erschütternden Eindruck selbe auf den Zuschauer Hervorbringen. Der hier im Saale des Adambräu zur öffentlichen Anschauung vorgeführte Kinematograph Lumidre bringt eine große Anzahl von Begebenheiten aus der hl. Schrift, aber auch sehr heitere Episoden zu Gesicht. Unter den Vorgenannten sollen in erster Linie die markantesten Stellen aus dem Leben und Hinscheiden des Heilandes Jesu Christi erwähnt werden. Von heiteren Begebenheiten kann man eine große Anzahl der wirklich amüsanten und dabei äußerst decenten Scenen sehen. Ueberwältigend komisch wirken die Bilder: Der verschlafene Kutscher, die badenden Neger, die vier streitenden Frauenzimmer re. rc. Reizend sind auch die Fahrten, wo man vermeint, selbst im Waggon zu sitzen und vorwärts sowie rückwärts zu fahren, ferner Gondelfahrten, allerhand anderer Sport, als Reiten, Fahren und dergt., kurz, für das Vergnügen für Jung und Alt ist mehr als ausreichend gesorgt. Es versäume keine Familie, die Gelegenheit zu erfassen, den nur mehr wenige Tage hier bleibenden Kinematographen zu besuchen, um sich und den Kindern ein wahrhaftes und erbauliches Vergnügen zu verschaffen, zumal der Eintritt ein sehr mäßiger ist.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. August 1901, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6825-vorfuehrung-des-kinematographen-lumidre-im-adambraeu-saal-mit-1901).
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