Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
NAMEN UND KULTUR AUF SCHNELLER KURVE

Christian Schneller als bedeutender Culturhistoriker und Namenforscher in Tirol

Christian Schneller hat sich aber auch noch auf den Feldern der Wissenschaft Ehre und Ansehen erworben, er ist ein bedeutender Culturhistoriker und Namenforscher, dessen hieher gehörige Arbeiten die Frucht langer und gründlicher Studien darstellen. Zunächst sind seine „Skizzen und Culturbilder aus Tirol" ( 1877) zu nennen, die schön und anmuthig geschrieben sind und wertvolles Material bieten Die Geschichte einer Teufelanstreibung zu Seefeld ( 1783), aus den Acten geschöpft, dürfte wohl als das Prachtstück der Sammlung bezeichnet werden. Schneller hat seine übrigen Forschungen gewissenhaft zum Gemeingut der Gelehrten gemacht. Dies betrifft insbesondere seine Namendeutungen. Er unternahm 1870 einen größeren Streifzug in das Gebiet der Lirolischen Ortsnamen, der im „ Tiroler Boten " bekannt gemacht wurde. Er stellte sich zunächst dem gewaltsamen Verfahren Steubs entgegen und verfocht die Ansicht, dass zur Erklärung dieser oft sonderbaren und verderbt überlieferten Namen die romanischen und deutschen Mundarten ausreichten. Um zur ältesten Namenssorm zu gelangen, machte er neue und umfassende urkundliche Studien, die ihn in seiner vorsichtigen, konservativen Methode bestärkten. In den „Tirolischen Namenforschungen" ( Innsbruck 1890) untersuchte er dann allerdings zunächst bloß die Namen des südtirolischen Val Lagarina, jedoch „ mit weiten Ausläufen auf Lirolische Namen überhaupt, in eingehender und sehr gründlicher Weise " — urtheilt Prof. F. Stolz. Schnellers größtes Verdienst besteht darin, dass er der ausschweifenden Phantasie der Dilettanten mit wissenschaftlicher Ruhe entgegentrat und der künftigen Forschung ein umfangreiches und verlässliches Material überlieferte. Inzwischen hat er in seinen landschaftlichen Schilderungen aus Südtirol von den Ergebnissen seiner Studien selbst weiteren Gebrauch gemacht. Die erste Reihe der „Südtirolischen Landschaften" ( 1899) befasst sich mit dem Nons und Sulzberg, Civezzano, Pinö, Pergine und Valsngana, die zweite ( 1900) abermals mit dem Lagerthal, dem unteren Etschthal zwischen Calliano und der oberen Veroneser Klause. Ueberall erblicken wir des Verfassers gründliche Kenntnis, seine sinnige Treue und die gewissenhafte Sorgfalt. Sein äußeres Leben weist den ruhigen und ausgeglichenen Gang auf.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. November 1901, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6866-christian-schneller-als-bedeutender-culturhistoriker-und-1901).

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