Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ANDREAS HOFER AUS ITALIEN BEOBACHTET

Memoiren eines Mantuaner Politikers mit Erwähnung Andreas Hofer’s Verurtheilung

Pogaenik und Genossen, betr. die Verwendung ausländischer Arbeiter bei den Tunnelvorarbeiteu an der Karawanken und Wocheinerbahn und führt aus, dass die Bauunternehmer, welchen die Ausführung der Feuilleton Andreas Hofer in Mantua. Eben hatte Prof. Josef Egger im dritten Bande seiner Geschichte Tirols das reichliche Quellenmaterial über das Jahr 1809 verwertet, das von dem Museum Ferdinandeum bewahrt wird, als die Memoiren des italienischen Staatsmannes Grafen Giovanni Arrivabene aus Mantua erschienen. Dieser Arrivabene war am 27. Juni 1787 geboren, also 1809 zweiundzwanzigjährig. Da er sich mit der Regierung des Kaisers Franz und dem Regierungssystem der Reactionsperiode überhaupt nicht befreunden konnte, trat er mit der italienischen Bewegungspartei in Verbindung, wie denn auch im Jahre 1848 zu Mantua einer seiner Verwandten gegen die Oesterreicher agitierte. Giovanni Arrivabene wurde nach der Revolution in Piemont (1821) als „ Carbonaro " in Untersuchung gezogen, auch zu Venedig in längerer Haft gehalten, dann wieder freigelassen, wobei des tiroli sehen Juristen Salvotti als eines der Untersuchungslichter Erwähnung gethan wird. *) Im Jahre 1822 entzog sich der 35jährige Arrivabene neuerlicher Verfolgung und der Verurteilung zum Tode durch die Flucht; er verlebte die Zeit bis 1859 in England und Belgien, bald befreundet mit Gladstone und König *) Die Welschtiroler wurden damals auch in Mantua «nd Venedig als Tiroler anerkannt: 8s. 1votbi tiroleos, Losmini tirolese u. s. w. sagt Arrivabene regelmäßig. Er «wähnt auch tirolischer Holzarbeiter in Mantua, die ihn 1812 und ISIS auf dir Jagd begleiteten. Leopold I.; dann kehrte er nach Italien zurück, wo er Senator des neuen Königreiches wurde und namentlich in volkswirtschaftlichen Dingen als Autorität galt. Erst 1866, nach einem Exil von 44 Jahren, sah er als Achtzigjähriger seine Vaterstadt Mantua wieder. Trotz dieser Schicksale erfreute er sich auch bei zunehmendem Alter großer körperlicher Rüstigkeit, so dass er es auf 94 Jahre brachte; er starb am 11. Jänner 1881 zu Mantua. Im letzten Decennium seines Lebens gieng er daran, Erinnerungen zu dictieren. Sie erschienen 1879 ( und in zweiter Auflage 1880) zu Florenz in zwei Bänden unter dem Titel: „rnsmoris äella mia vita ". Der erste Band führt die Erzählung bis zum Jahre 1859. Darin findet sich ein bemerkenswerter Bericht über unseres Landsmannes Andrea - Hofer Gefangenschaft, Verurtheilung und Hinrichtung zu Mantua 1809.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. November 1901, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6871-memoiren-eines-mantuaner-politikers-mit-erwaehnung-andreas-hofer-s-1901).

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