Bisher hat man von den Thätern keine Spur. Sitzung des Innsbrucker Gerneinderathes vom 13. Februar 1902. Aus den Verhandlungsgegenständen der gestrige» Gemeinderoths - Sitzung, welche in ihrem öffentlichen Theile bis 7 ^ Uhr abends dauerte, wollen wir heute als wichtigsten Gegenstand die Aufnahme eines Hi/2 Millionen Anlehens der Stadt Innsbruck herausheben. Ueber diese Angelegenheit erstattete der Obmann der Finanz - Seetion, GR. Kapferer, eingehenden Bericht. Durch die Uebernahme der Lichtwerke sei der Capitalauswand der Stadtgemeinde ein derart großer geworden, dass derselbe aus begreiflichen Gründen nicht mehr gedeckt werden kann, indem dieselbe so große Capitalien nicht auf 4 " — 50 Jahre festrennen kann; andererseits kann es die Gemeinde nicht wohl riskieren, dass sie vielleicht der Sparkasse gegenüber größere Rückzahlungen zu leisten hat, indem ihr so große Capitalien gekündet werden und es ihr dann zu Zeiten schwer werden kann, das nöthige Capital zu beschaffen. Die Finanz - Section hat sich in einigen Sitzungen mit dieser Frage beschäftigt und selbe ist heute mit derselben soweit fertig geworden, dass der Gemeinderath den Beschluss fassen kann, vorerst an den Landtag heranzutreten um Genehmigung des Stadtanlehens, indem letzteres an ein Landesgesetz gebunden ist. Der Herr Referent trägt nun im Detail die Erfordernisse vor, welche in den nächsten 10 Jahren an die Gemeinde hcrantreten werden und welche sich in folgende Gruppen eintheilen lassen: Anlehen für die Lichtwerke, für Assanierungszwecke und für Schul und Kasernenbauten. Das Erfordernis für die Lichtwerke ist in erster Linie für die Rückzahlung des Capitals bestimmt, welches die Innsbrucker Sparcasse für das bestehende Werk und die Sillwerke gegeben hat und welches schon deswegen zurückbezahlt werden muss, damit den Gläubigern, welche die Stadt durch Bezahlung des Anlehens erhalten wird, die Lichtwerke als erster Satz untergestellt werden können. Die an die Sparcasse zurückzuzahlende Summe beträgt 1 *j, Millionen L, die Kosten des Ausbaues der Sillwerke betragen 3. 400. 000 L. Der Buchwert des bestehenden Gaswerkes dürfte am Tage der Uebernahme, 31. December 1904, rund 1 Million L betrauen; bis zu diesem Termine wird es auch nothwendig werden, da die Zunahme des Gasconsums ganz bedeutend ist, ein zweites Werk fertigzustellen, das 500. 000 L kosten dürfte. Für Jntercalar - Zinsen und Cnrs - Verluste, da das Anlehen al pari wohl nicht zu placieren sein dürfte, sind 100. 000 L anzunehmen, so dass das Erfordernis für die städtischen Lichtwerke auf 6 ^ Millionen L sich stellen dürfte. Die Bedeckung dieses Betrages wird sich nach menschlicher Voraussicht aus den Werken selbst ergeben und der Referent spricht heute neuerdings die Hoffnung, ja die Ueberzeugnnq aus, dass die Gemeinde außer dem Zinsen. Erfordernisse und der Amortisation ein beträchtliches Erträgnis für die Communal - Caffe erzielen wird. Der Aufwand für die Assanierung der Stadt, für die Herstellung der Canalisation, wird nach dem Elaborate des Herrn StadtbauratheS 1. 400. 000 L betrugen. Nun muss man aber auch rechnen, dass die Gemeinde, wenn der Zwangsanschluss genehmigt wird, verschiedenen Privaten Darlehen geben muss, theilweise die Installation wird mitbestreiten müssen, so dass sich daß Erfordernis auf 2 Millionen L stellen wird. Sollte es weniger sein, braucht man ja nicht das ganze Anlehen aufzunehmen. Die Regulierung der Kohl st alt ist mit 100. 0 " 0 L zu veranschlagen, jene der anderen Stadttheile, welche mit dem Ankauf des Tschoner ' scheu Hauses eingeleitet wurde, auf 200. 000 L. Das neue Schlachthaus, deff n Ban sich hoffentlich noch auf 10 Jahre hinausschieben lassen wird, wird mit 500. 000 L veranschlagt, so dass das gesammte Erfordernis für Assanierungszwecke sich auf 2,800. 000 T beläuft.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Februar 1902, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6913-beschlussfassung-ueber-ein-halb-millionen-anlehen-fuer-lichtwerke-1902).
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