Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DAMEN UND DISKURS UM DAS GYMNASIUM

Neues Gymnasialgebäude und öffentliche Debatte über die Anstalt in Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 22. Februar 1902 · Seite 6
Ueber die Classification und andere Verhältnisse am Innsbrucker Gymnasium. (Auch ein offenes Wort.) Innsbruck, 20. Februar. Zwei Ding ' sind allezeit des Unverstandes Zeichen: Zur Unzeit sprechen und zur Unzeit Schweigen. Saadi. Die Sitzung des Gemeinderathes vom 13. dswird für die Geschichte der Stadt Innsbruck von epochemachender Bedeutung sein. Erstens wurde zu einer Reihe hoher, kultureller Zwecke ein gewaltiges Anlehen aufzunehmen beschlossen. Zweitens bewilligte der Gemeinderath über Ersuchen der k. k. Statthalterei ebenso einstimmig für ein neues Gymnasialgebäude unentgeltlich einen Bauplatz, nachdem das alte völlig baufällig und für seine Zwecke durchaus untauglich geworden ist. Bei dieser Gelegenheit hat der Herr Bürgermeister zugleich nicht umhin gekonnt auszusprechen, dass die Innsbrucker Bürger über das Gymnasium nicht gut zu sprechen sind und dass er sich verpflichtet fühle, diese Beschwerden öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Seitdem wurden die Erörterungen über die Anstalt fortgesetzt und schließlich haben sich selbst Damen daran betheiligt. Gestatten die geehrten Leser und Leserinnen Einem, der in die Sache auch etwas Einblick hat und selbst mit der Unterrichtsmethode nicht ganz unbekannt ist, ebenfalls — und zwar ohne jeden Auftrag hiezu — einige Aeußerungen zu dieser Angelegenheit. — Das Gymnasium ist keine einfache Fortsetzung der Volksschule. Es ist die erste und anerkannt schwierigste der Mittelschulen. Es ist die Vorbereitung zu den höchsten, zu den Universi- Lätsstudien. In eine solche Anstalt taugt nicht jeder Schüler, nicht jeder hat namentlich die Begabung für die schwierigen alten Sprachen. Da sollte eine Auslese getroffen werden. Zur Erfüllung einer so schweren Aufgabe gehören geistig hinreichend begabte und körperlich gesunde junge Kräfte. Einst, und zwar noch zu meiner Zeit, hatte ma^ das Bewusstsein solcher Erfordernisse und besitzt eZ wenigstens aus dem Lande draußen zumeist noch Der Clerus wähkt für die sogenannten geistlichen Gymnasien größtentheils begabte Volksschüler aus. Deswegen, und weil die betreffenden Anstalten auch keine so hohen Besuchsziffern aufweisen wie z. B. das Innsbrucker Gymnasium, kann auch leichter ein zufr edenstellendes Resultat erzielt werden. In dieser Stadt aber, wo eine solche Auswahl an Mittelschulen und Lehranstalten der verschiedensten Art sich befindet, wo. sozusagen für alle möglichen Berufsarten Vorsorge
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. Februar 1902, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6927-neues-gymnasialgebaeude-und-oeffentliche-debatte-ueber-die-anstalt-1902).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Presse & Verlagswesen“

TIROLER WASTL BLEIBT FREI

Ehrenbeleidigungsprozeß zwischen Dr. Kapferer und dem Herausgeber des Tiroler Wastl

Innsbrucker Nachrichten · 12. September 1902 · S. 6 · Presse & Verlagswesen

Gerichtszeitung. (Preß - Prozeß Dr. Kapferer contra. Tiroler - Wastl.) s7. SchwurgerichlsfallJ Gestern nachmittags war der Schwurgerichtssaal der Sammelpunkt eines zahlreichen Publikums und bis auf das letzte Plätzchen b …

EHRERKLÄRUNG ALS FALLBEENDUNG

Ehrenerklärung durch Hugo Greinz nach beigelegtem Prozeß gegen Abt Wildauer

Innsbrucker Nachrichten · 13. September 1902 · S. 7 · Presse & Verlagswesen

(Abt Wildauer von Frech t, contra Hugo Greinz.) Dieser seit einem halben Jahre schwebende Prehprozeß, der heute dem Innsbrucker Schwurgerichte zur Entscheidung vorgelegt werden sollte, wurde durch einen Vergleich beigele …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |