Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BAHN VON INNSBRUCK BIS AN DIE GRENZE

Projekt der Jnnsbruck-Mittenwalderbahn in den Händen des Ingenieurs Riehl

E 1 Hl. Dreifaltigkeit. Jnnsbruck - Mittenwalderbahn. (Scharnitzer Linie.) Da die Erbauung der Jnnsbruck - Mittenwalderbahn in eine absehbare Nähe gerückt erscheint und Mer Voraussicht nach in kürzester Zeit in Angriff enommen werden wird, so dürfte es namentlich für ie Bewohner Innsbrucks von hohem Interesse sein, schon jetzt über den Bau der neuen Gebirgsbahn etwas Näheres zu erfahren. Durch die Zuvorkommenheit des Ingenieurs Josef Riehl sind wir nun in der angenehmen Lage, das von ihm über Auftrag des k. k. EisenbahnministeriumS verfasste, generelle Project in seinen Hauptzügen unseren Lesern vorzuführen. Ingenieur Niehl äußert sich in dem erwähnten Projekte über die Erbauung der Jnnsbruck - Mittenwalderbahn folgendermaßen: Bei der Bereisung der Strecke durch den Eisen- Zahnminister Ritter von Wittek und Sectionschef Wurmb im August 1901 wurden, im Smne der gepflogenen Vorstudien, die wichtigsten technischen Fragen besprochen, und als Ausgangspunkt der geplanten L nie Innsbruck und als Endpunkt derselben von österreichischer Seite die Landesgrenze bei Scharnitz festgestellt. Ebenso fand, bei Besichtigung der Strecke, die viel ventilierte Frage, ob der neue Schienenweg über die Wasserscheide bei Seefeld, oder durch einen langen Tunnel geführt werden solle, zu Gunsten des ersteren ihre endgültige Lösung. Des weiteren wurde uns nachstehendes Projects - Programm gegeben: 1. Die Bahn ist normaljpurig anzulegen. 2. Die Curvenradien sollen nicht unter 250 ui in den Tunnels und nicht unter 200 ui in der offenen Strecke betragen. 3. Die Maximalsteigung wurde mit 30 pro Mille bestimmt, eine Steigung die für die heutigen Maschinen kein Hindernis bildet. 4. Der Oberbau soll, schon mit Rücksicht auf die große Steigung ein schweres Stahlschienenprofil erhalten. 5. Sollen alle 6 — 7 Kilometer mindestens 350 m lange Ausweichen vorgesehen werden. Mit diesem Programme war nun bie Trace, der Hauptsache nach fixiert, es erübrigte nur, dieselbe dem Terrain entsprechend zu entwickeln und anzupassen. Gemäß den diesbezüglichen Vertragsbestimmungen mit dem k. k. Eisenbahn - Mmisterium wurde die Projectslinie, auf Grund eingehender tachymetrischer Terrainstudien, in Schichtenpläne ( Maßstab 1: 1000) gelegt, so dass dieselbe — unter Aufrechterhaltung der allgemeinen Projectsnormen — beim Detailproject nur mehr unwesentlichen Aenderungen oder Verbesserungen unterliegen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. Mai 1902, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6982-projekt-der-jnnsbruck-mittenwalderbahn-in-den-haenden-des-1902).

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