(Die Zillertaler Feuerwehr - Angelegenheit.) Aus Kalt ' enbach wird uns geschrieben: Wie bekannt, wurden sämtliche Vereins - Vorstehungen des Zillertales ( Feuerwehr - Vereine, Schulvereine, Gesangvereine, Veteranenvereine rc.) von der Bezirkshauptmannschast Schwaz wegen Vergehens nach Z 12 V. - G. den Bezirksgerichten zur Strafamtshandlung angezeigt. Dieses Vergehen besteht nun darin, daß die Vereinsvorstehungen es unterlassen haben, den um Neujahr 1902 fälligen Jahresausweis einzusenden. Sämtliche Vereine — mit Ausnahme des Veteranenvereins — wurden infolge dieser Anzeige zu Geldstrafen verurteilt. Das gleiche Schicksal hat auch die freiwill. Feuerwehr von Kaltenbach getroffen, indem die Vorsehung dieses Vereins vom Bezirksgerichte in Zell am Ziller zu einer Geldstrafe von 16 L zugunsten des Armenfonds von Kaltenbach, event. zn Arrest, verurteilt wurde. Die Vertretung dieser Gemeinde hat jedoch beschlossen, den verurteilten Vereins- Funktionären unter dem Ausdrucke des besonderen Dankes für ihre uneigennützige und erfolgreiche Tätigkeit für das öffentliche Wohl im Dienste der Feuerwehr eine Remuneration im Betrage des Strafausmaßes ans der Gemeindekaffe anzuweisen. Die Bezirkshauptmannschast Schwaz hatte bisher die Gepflogenheit, an die Vereinsvorstehungen um Neujahr hektographierte Formulare mit der Aufforderung hinauszugeben, die vorgeschriebene Nachweisung einzustellen, was streng genommen allerdings nicht ihre Pflicht gewesen wäre. Nur um Neujahr 1902 wurde diese Aufforderung von Seite der Bezirkshauptmannschast unterlassen, jedoch soll dafür eine diesbezügliche Kundmachung im „ Schwazer Bezirksanzeiger " veröffentlicht worden sein, einem Blatte, das nur von Wenigen gelesen wird. Als nun die Ausweise nicht rechtzeitig einlangten, erfolgte von Seite der Bezirkshauptmannschast die Anzeige an die Bezirksgerichte, welche die strafgerichtliche Verfolgung und Bestrafung der beschuldigten Vereinsfunktionäre zur Folge hatte. Diese Behandlung humaner Vereine seitens einer Behörde, die am meisten dazu berufen sein sollte, dieselben zu fördern, hat die Bevölkerung des Zillertales tief erbittert und es ist daher eicht erklärlich, daß der größte Teil der auf solche Weise gekränkten Vereinsfunktionäre ihre ohnehin nicht sehr angenehmen Stellen niedergelegt haben. Niemand ist es aber dabei
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. September 1902, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7058-strafe-fuer-die-feuerwehrvorstehung-in-kaltenbach-wegen-1902).
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