Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TODSCHÜTTEN IN DER NERVENKLINIK

Tobsuchtsanfall in der Nervenklinik – Patient verletzt Helfer und muss in Irrenanstalt Hall überführt werden

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. Oktober 1902 · Seite 4
U. (Einenrabiaten, lebensgef äh rlichen Patienten) beherbergte gestern das hiesige Spital. Es war ein aus Meran zugereister russischer Jude, der vorgestern nachts hier einlangte und ins Spital gebracht wurde. Kurze Zeit nach 12 Uhr erlitt derselbe einen Tobsuchtsanfall und bedrohte hiebei den sofort herbeigerufenen Anstaltsarzt und den Wärter. Dieselben mußten sich flüchten, nachdem bereits früher die übrigen Patienten den Krankensaal verlassen halten, mit Ausnahme eines blödsinnigen Buben, der nachträglich der gefahrdrohenden Lage entrissen wurde. Der Tobsüchtige richtete in dem Krankensaale eine große Verwüstung an, schlug alle Fensterscheiben ein, warf leicht bewegliche Gegenstände überall hin, so daß man sich genötigt sah, die städtische Schutzwache zu Hilfe zu rufen. Zuerst wurde der Rabiate noch durch einen kräftigen Hydrantenstrahl etwas beruhigt, worauf die Schutzwache in den Saal eindrang und nach langem Ringen den Tobenden unschädlich machte. Hiebei erhielt ein Patient, der an der Festnahme teilnahm, zwei Messerstiche. Der Tobsüchtige wurde in eine Isolierzelle der Nervenklinik gebrach ^ wo er zwei Selbstmordversuche machte. Noch gestern wurde der Bedauernswerte in die Irrenanstalt Hall überführt. Wir beschränken uns auf die Konstatierung der Tatsache, daß die Räumlichkeiten der Nervmklinik sehr ungenügend sind.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Oktober 1902, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7097-tobsuchtsanfall-in-der-nervenklinik-patient-verletzt-helfer-und-1902).

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