Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VERGESSENE DEUTSCHE SÜDMARK

Beitrag über die deutsche Südmark im Gemüte des deutschen Volkes von Wilhelm Rohmeder

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 2. Jänner 1903 · Seite 4
Wilhelm Rohmeder, von dem wir unseren Lesern schon viele Beiträge bringen konnten, die allerdings unter Chiffre erschienen, hat uns für die Jubiläumsnummer den Aufsatz „ Tie deutsche Südmark im Gemüte des deutschen Volkes " geschickt. Von geschätzter Seite wurde uns ferner aus Prag ein politischer Beitrag aus Böhmen gesandt. Mehrere andere Beiträge, die uns freundlich st zur Verfügung gestellt wurden, kamen leider zu spät für die Jubiläumsnummer. Unangenehm fühlbar machte sich die durch den großen Schneefall hervorgerufene Verkehrsstörung bezüglich des Einlangens der Berichte unserer Korrespondenten. Die deutsche Südmark im Gemüt des deutschen Volkes. Bon vr. EL. Wilhelm Rohmeder. Vor ungefähr stz Jahr ist ein kleines Büchlein erschienen, welches Ottokar Schubert im Schüttarschen ( Böhmen) zum Verfasser hat. Es führt den Titel: „Die deutsche Mark am Süd me er ". Was das Büchlein bietet, dürfte manchem Leser dieses Blattes wie ein Sang aus verschollener Heit erscheinen. Aber eben deswegen wünsche ich chm recht viele Leser — auch in Tirol! Es gibt eine Keihe von Tatsachen, indem es die geschichtliche Stellung des Deutschtums im küstenländischen Süden an der Adria behandelt. Unser Kaijerkönig Otto her Große hatte gute Gründe, daß er die Mark Verona mit Treviso und Friaul als deutschen Reichsboden zum Deutschen Reiche schlug. Deutsche und Furlaner ( Ladiner) bildeten die Bevölkerung; Italiener saßen nur spärlich dazwischen. Der Patriarch von Aquilea war deutscher Neichsfürst und blieb es in der Folge. Aber völlig durchgedrungen in dem Sinne, daß die furlanische Bevölkerung ' in der deutschen aufgegangen wäre, ist hier das Deutschtum nie. Im Lande selbst ist heutzutage die deutsche Sprache bis auf kümmerliche, hinsterbende Reste verklungen. Von dieser Südmark rede ich hier nicht. In dem heißen Bemühen des deutsch österreichischen Volkstums um die Behauptung seiner geschichtlichen Stellung im Staate wird nicht selten von den südöstlichen Alpenländern Steiermark, Kärnten und Krain — allzubescheiden! — als von „deutschen Südmarken" gesprochen. Die Bezeichnung ist weder geographisch, noch geschichtlich, noch in nationalem Sinne zutreffend. Auch von diesen Süd marken rede ich hier nicht. Ich rede von der Südmark! Das ist diejenige Mark, die ihresgleichen nicht hat in deutschen Landen, die einzig ist in ihrer Art: in ihren geographischen und geschichtlichen Verhältnissen, einzig auch in ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung für das deutsche Volkstum — die deshalb auch einzig dasteht im Gemüte des deutschen Volkes!
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. Jänner 1903, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7143-beitrag-ueber-die-deutsche-suedmark-im-gemuete-des-deutschen-volkes-1903).

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