Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WESTMARK ENTDECKT AFRIKA – UND STANLEY

Lebhafter Vortrag über Zentralafrika und Menschenfresser durch Herrn Westmark

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 14. Jänner 1903 · Seite 5 · #Expeditionen
(Vortrag Westmark.) Der von dem bekannten Afrikareisenden Herrn Westmark im Gasthof zum „ grauen Bär " hier angekündigte Vortrag über seinen Aufenthalt in Zentral - Afrika hatte den Saal schon lange vor dem Beginne des Vortrages bis in seine letzte Ecke mit Zuhörern gefüllt, deren Hauptkontingent die wißbegierige Jugend stellte. Herr Westmark schilderte seinen siebenjährigen Aufenthalt unter den Menschenfressern in einer anziehenden, bis zum letzten Satze spannenden Weise, unter der ungeteilten Aufmerksamkeit » seiner Zuhörerschaft. Ein besonderes Kapitel widmete der Vortragende dem von den Engländern verherrlichten Stanley, dem wohl Zähigkeit, Mut und Schlauheit nachzusagen sei, dem aber jede wissenschaftliche Bildung und insbesondere Humanität fehle, welche Eigenschaft den meisten Engländern fremd zu sein scheint und an welcher der Despot am Kongo es auch den Europäern gegenüber fehlen ließ. Neben reizenden Naturschilderungen, welche die Tropenpracht annäherungsweise verraten, gab der Vortragende ein anschauliches Bild von den Gebräuchen der Kannibalen, ihrem Gottglauben, und insbesondere vom Menschenfressen. Herr Westmark entging diesem gräßlichen Schicksal durch einen Zufall, da dem Negerstamme feindliche Araber ins Dorf einbrachen und ihn befreiten. Lebhafte Heiterkeit erregte der Vortragende bei der Schilderung der Voraussetzungen bei den Eheschließungen der Kannibalen. Die „ Mitgift " muß dort der Mann erlegen und zwar muß er dem Vater der Braut für dieselbe 2 — 3 Sklaven und verschiedene andere Tauschgegenstände geben. Junge Sklavinnen sind dort bedeutend billiger und werden für ein oder zwei leere weiße Flaschen, nach unserem Gelde etwa für 25 Heller verhandelt. Auch die Frauen, die sich dort jeder in beliebiger Zahl halten kann, sind inbezug auf Toilette sehr billig ( Heiterkeit), da sie sich mit einer Perlenschnur aus Glas um den Hals gehängt begnügen. Die Weiber müssen, während der Mann schläft, ißt ynd trinkt, die ganze Arbeit besorgen, können sich aber von ihm wieder trennen wenn sie wollen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Jänner 1903, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7159-lebhafter-vortrag-ueber-zentralafrika-und-menschenfresser-durch-1903).

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