Dr. Bern heim er einen Vortrag: Über die Gehirnbahnen synergischer Augenbewegungen. Auf Grund ausgedehnter eigener Untersuchungen besprach der Vortragende eingehend die Gehirnbahn, quf welcher die willkürlichen Blickbewegungen der Augen ablaufen. Er wies nach, daß von einer bestimmten Windung ( 0 ^ ru8 angularis) aus, sich die Bahn bis in die Gegend der Augennervenkerne verfolgen läßt. Diese Bahn kreuzt sich in eben dieser Gegend mit derselben Faserung der andern Gehirnhälfte. Die einzelnen Augenkerne stehen durch eine eigene Faserung untereinander und mit der erwähnten gekreuzten Gehirnbahn in Kontaktbeziehung, so daß die synergische ( gleichzeitige Bewegung beider Augen nach den Seiten hin, die sogenannte Seitwärtsbewegung, in. gesetzmäßiger Weise nach der vom Vortragenden anatomisch nachgewiesenen Bahn, erfolgen kann. Die bisher Ziemlich allgemein vertretene Ansicht, als bestehe in den Vierhügeldächern ein diese Bewegungen beherrschendes Zentrum, wurde vom Vortragenden durch, überzeugende Beweise als irrig zurückgewiesen. Im Anschlüsse an diese Mitteilungen Pvof. Bernheimers trug Hofrat Prof. Tr. Loebisch „ Über einen neuen Farbstoff in der Rindergalle" vor. Er berichtete über die Resultate einer von ihm in Gemeinschaft mit dem Assistenten Max Fischler im Laboratorium für medizinische Chemie ausgeführten Untersuchung. Die Darstellung des neuen Fachstoffes, den sÜ Bilipurpurin nennen, aus der Rindergalle geschah in folgender Weise: Der alkoholische Extrakt der eingedampften Rindergalle wurde in Wasser gelöst, mit verdünnter Schwefelsäure angesäuert und mit Äther ausgeschüttelt. Die ätherische Lösung, zeigte eine purpurnste Färbung mit grünem Reflex und charakteristische Absorptionsstreifen. Durch Behandlung der ätherischen Lösung mit Chlorcalcium und des Rückstandes vom ätherischen Filtrate mit Ligroin und Alkohol gelang, es dem Farbstoff kristallinisch zu erhalten. Der Farbstoff krystallisiert nach der vom Prof. Dr. KathreiN ausgeführten Untersuchung in rhombischen Blütchen und Prismen und ist dichroitisch. Die Elementaranalyse des Bilipurpurins ergab eine Zusammensetzung, welche diesen Farbstoff entweder als ein Anhydrid des gelben Gallenfarbstoffes Bilirubin oder als ein Anhydrid des als Derivat des Blutfarbstoffes bekannten Haematopvrphyrins auffassen lassen. Der Dichroismus und das Absorptionsspektrum des Bilipurpurins sprechen für eine nahe Verwandtschaft mit dem Blutfarbstoff. Der Vortragende zeigte nun das charakteristische Absorptionsspektrum, welches sich noch bei sehr großer Verdünnung durch drei Abforptionsstreifen, wovon die zwei ersten im gelben und der drjtte im Anfänge des grünen Teiles des Spektrums austreten, auszeichnet. Die Ausbeute an diesem Farbstoff betrug 1 § aus 100 1 Galle. Zum Schluffe erörterte der Vortragende die Frage, ob der Farbstoff schon in der Galle vorgebildet ist, oder erst infolge der Darstellung als ein Kunstprodukt auftritt. Die. zur Lösung dieser Frage angestellten Versuche führen zur Annahme, daß der neue Gallenfarbstoff schon in der nativen Galle in Form eines Chromogens vorhanden sei.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. März 1903, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7186-wissenschaftliche-vortraege-ueber-gehirnbahnen-und-neuen-1903).
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