Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SCHULEN GETEILT NACH GESCHLECHT

Neue Vorschläge zur Umgestaltung einklassiger Volksschulen durch Geschlechtertrennung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. Februar 1903 · Seite 20 · #Volks- und Bürgerschulen
Nach den Vorschlägen der Landeslehrerkonferenz ist eine Verminderung der zahlreichen einklassigen Volksschulen dadurch möglich, daß die nach Geschlechtern getrennten in eine Art zweiklassiger Schulen umgewandelt werden. Tie Vorschläge erhielten in jeder Sektion eine andere Fassung, was wohl mehr durch die Schwierigkeit der doppelsprächigen Verhandlungen als durch die Verschiedenheit der Meinungen veranlaßt wurde. Tie deutsche Sektion stellte den Antrag: „ Wo zwei Lehrkräfte vorhanden sind, sollen nicht zwei einklassige Schulen, sondern in der Regel ztvei aufsteigende Klassen gebildet werden; die Trennung der Geschlechter soll in folgender Weise durchgeführt werden: Ter Lehrer übernimmt die Knaben und die Mädchen der ersten Abteilung und die Knaben der dritten Abteilung ( diese in zwei Gruppen), der Lehrerin werden die Knaben und Mädchen der zweiten Abteilung und die Mädchen der dritten Abteilung ( diese ebenfalls in zwei Gruppen) zugewiesen. " Tie italienische Sektion stellte den Antrag: „ In Schulsprengeln, wo eine einklassige Knabenschule neben einer einklassigen Mädchenschule mit ganztägigem Schulbesuche besteht, sollen die Kinder in der Weise verteilt werden, daß der Lehrer die erste und dritte, die Lehrerin die zweite und dritte Abteilung unterrichtet, d. h. der Lehrer übernimmt die Knaben und Mädchen der ersten zwei Schuljahre und die Knaben der letzten vier Schuljahre, d « ie Lehrerin dagegen die Knaben und Mädchen des dritten und vierten Schuljahres, sowie die Mädchen der letzten vier Schuljahre. Tie bezügliche dritte Abteilung wird in jeder Klasse in zwei Gruppen gegliedert ". Indem wir uns Vorbehalten, die Zweckmäßigkeit einer solchen Schülereinteilung am Schlüsse darzulegen, sei zunächst der Hinweis gestattet, daß sich die beiden Anträge nicht ganz decken. Der Unterschied entspricht dem Umstande, daß in den deutschen und in den italienischen einklassigen Volksschulen die erste Abteilung von vornherein ungleich zusammengesetzt erscheint. In Teutschtirol umfaßt die erste Mteilung nur den ersten, in Jtalienischtirol auch den zweiten Jahrgang. Ter Antrag der deutschen Sektion ist, so wie er gestellt wurde, kaum durchführbar. Tie Schwierigkeit liegt darin, daß die Kinder nach diesem Anträge in zu ungleicher Zahl verteilt würden; die eine Lehrperson hätte nämlich Vi6, die andere der Kinder zu übernehmen, was sich weder mit der zu fordernden gleichen Arbeitsleistung,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Februar 1903, S. 20, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7175-neue-vorschlaege-zur-umgestaltung-einklassiger-volksschulen-durch-1903).

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