Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
AMERIKA-SEPL WILD ÜBER WILD

Aufführung der Vauernposse „Amerika - Seppl“ im Adambräu – gemischte Reaktionen auf Darbietung und Spiel

(ExlsBauerntheaterimAdambräu.) Die Aufführung eines Stückes, in dein es gar lustig und unsinnig hergeht, leidet meist unter einem „ Allzuviel " der Darsteller. Dies sahen wir letzten Sonntag an Felfingers humorvoller Vauernposse „ Amerika - Seppl ". Wenn sich jeder Darsteller mit dem begnügt hätte, was der Dichter in seine Rolle geschrieben, so würde der angekündigte „ sensationelle Lacherfolg " wohl Hu einem wirklichen Lacherfolg geworden sein. Es fehlte aber ein richtiges Maßhalten, welches immer wünschenswert, bei ohnedies übertriebenen Possen aber unbedingt notwendig ist. Als schlechtes Beispiel allen voran tollte Hr. Max Wild als Amerika - Seppl. Wir haben schon des öfteren diesen sonst gewiß vorzüglichen Komiker vor Übertreibungen gewarnt. In kleineren 'Rollen war es ja nie so schlimm, wenn Herr Wild des Guten zu viel tat. Aber im „ Amerika - Seppl " wurde diese Wild ' sche Rollenausbeutungssucht dem ganzen Stücke geradezu verderblich. Das Auge wurde es müde, die ohnehin dick genug aufgetragenen Spässe und Tollheiten dieser Bombenrolle den ganzen Abend durch ein starkes Vergrößerungsglas besehen zu müssen. Beim ersten Auftritt schon setzte der Amerika - Seppl mit aller Wucht ein, so daß eine Steigerung in den folgenden Akten nicht mehr möglich war. So kam es, wie es kommen mußte: das Publikum wurde bald teilnahmslos und der Beifall war sehr mager. Max Wilds „ Bezähmung " sei der Spielleitung angelegentlichst empfohlen. Ein wohltuendes Gegenstück bildete der Bergmoser des Hrn. Schädler. Er blieb wie immer, auch in dieser komischen Partie hübsch im Rahmen der Gesamtheit und hatte sich eine äußerst gelungene Maske zurechtgelegt. Einfach und bescheiden war dessen Töchterchen Asra, die durch Frl. Herzl, ein gar liebes und unschuldiges Äußeres bekam. Die Batzenhoserfamilie wurde durchwegs trefflich dargestellt. Hr. Weger als Vater hatte zwar etwas mit dem Text zu kämpfen, aber sein gutes Spiel täuschte uns darüber hinweg. Ganz ausgezeichnet und über Erwarten temperamentvoll war Frl. Emma Marick als Schwester des Batzenhofer. Desgleichen war wie immer am Platze Hr. Exl. Sein Toni war aus einem Guß und paßte prächtig zur hübschen Afra. Hrn. Exls mühevolle Spielleitung verdient besonders erwähnt zu werden. Gleich Hrn. Schädler peinlich genau und sorgsam in Spiel und Maske war Hr.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. März 1903, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7199-auffuehrung-der-vauernposse-amerika-seppl-im-adambraeu-gemischte-1903).

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