Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
LIEBE, DIE NICHT LEBEN KONNT

Tod der einst geliebten Sophie Vanoni, ehemaligen Gattin des Dichters Hermann v. Gilm

(Gilms Sophie f). Am 19. dS. ist in Innsbruck, wie wir schon berichteten, Sophie Vanoni, geb. Petter, im 80. Lebensjahre gestorben. Es ist dies die von Hermann v. Gilm einst so innig geliebte und viel gefeierte „Sophie ". Der Dichter und Sophie Petter lernten einander Mitte der Vierzigerjahre in Brnneck kennen, und in dieser Zeit entstanden die schönen „ Lieder an Sophie ", darunter das schönste nick bekannteste „ Allerseelen ": Stell auf den Tisch die duftenden Reseden, Die letzten roten Astern schaff herbei. Das Verhältnis Gilms zu dem ebenso schönen als braven Tiroler Mädchen fand, als Gilm vom Pustertaler Städtchen fort nach Rovereto und später nach Wien versetzt wurde, bald ein Eyde. Sophie Petter aber hat dem Dichter zeitlebens ein treues Andenken bewahrt. Sie ging nach einigen Jahren eine Konvenienzehe ein, die aber sehr unglücklich ausfiel, da ihr Mann kaum ein Jahr nach der Hochzeit geistesgestört wurde und zehn Jahre im Jrrenhause zubrachte, bis er starb. Kinderlos, fand Sophie Vanoni im Hause ihrer Schwester, die an den Oberlandesgerichtsrat Ritter v. Petzer verheiratet war, liebevolle Aufnahme. Ritter v. Petzer, obwohl bedeuteich älter als Gilm und gänzlich verschiedenen politischen Ansichten huldigend, gehörte zum engeren Gilmschen Freundeskreise in Bruneck. Er starb gegen Ende der Achtzigerjahre, mehr als 90 Fahre alt, hochverehrt als einer der letzten Kämpfer des Ruhmesjahres 1809. Seither lebten die beiden Schwestern Petzer und Vanoni ein stilles, den Werken der Frömmigkeit gewidmetes Leben.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. Jänner 1903, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7162-tod-der-einst-geliebten-sophie-vanoni-ehemaligen-gattin-des-1903).

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