ist. Es ist dies eine beispiellose Erniedrigung für den Gewerbestand. Die Ausstellung von Lehr und Arbeitszeugnissen seitens der Strafanstalten wird sich der Gewerbestand nicht gefallen lassen. Das Zentralgenossenschaftsblatt in Wien hat in einer Serie von Artikeln des Jahrganges 1902 in sehr sachlicher Weise zur Frage der gewerblichen Strafhausarbeit Stellung genommen. Der 9. allgemeine österreichische Schneidertag 1902 hat nach eingehender Erörterung dieser Frage eine Resolution einstimmig angenommen, in welcher die Regierung ersucht wird, die Sträflinge nicht mehr zu gewerblichen Arbeiten zu verwenden, sondern zu Kulturarbeiten, Aufforstungen und Wildbachverbauungen. Es ist klar, daß die Sträflinge beschäftigt werden müssen. Aber der ohnehin durch die Großindustrie gefährdete Gewerbestand darf nicht auch noch durch die vom Staate verwalteten Strafanstalten zugrunde gerichtet werden. Der Gewerbeund Mittelstand war immer eine feste Stütze des Staates, darum ist es auch Pflicht des letzteren, denselben zu erhalten und zu schützen. Genossenschaftsversammlungen und Versammlungen der Verbände, Gewerbetage und Gewerbe - Kongresse fordern die Abschaffung cher gewerblicher: Strafhausarbeit. Die Verpachtung der Arbeitskraft der Sträflinge an einzelne Unternehmer kann nicht als wünschenswert bezeichnet werden, da hiedurch eine Begünstigung derselben gegenüber den übrigen eintritt, die ihre Arbeitskräfte in üblicher Weise entlohnen müssen. Eine Preisunterbietung gegenüber der freien Arbeit kann nicht gut geheißen werden. Die Verwendung von Sträflingen mag am Platze sein für die eigenen Bedürfnisse der Strafanstalten, zun: Teile für Militärlieserungen, zur Herstellung gesundheitsschädlicher Erzeugnisse, wie Zündhölzchen und dergleichen, dann zur Herstellung von Halbfabrikaten, welche in Österreich nicht erzeugt werden und auf deren Einfuhr vom Auslande ein hoher Zoll lastet, weiter zu Wildbachverbauungen, zu Schutzbauten gegen die in unserem Vaterlande alljährlich vorkommenden Murbrüche, zu Flußregulierungen, Bodenentsumpfungen, Herstellung von Straßen und Bergwegen; ferner zu Aufforstungen und Bodenkult ' urarbeiten, sowie endlich zur Gewinnung und Regulierung von Wasserkräften für elektrische Anlagen. Referent stellte den Antrag: „Der Verband möge die hier aufgeführten Daten auch den übrigen Verbänden zur Verfügung stellen und selbe einladen, mit ihm vereint an die Herren Abgeordneten heranzutreten mit dem dringenden Ersuchen, unter Berufung auf derlei Vorkommnisse mit allem Nachdrucke eine Einschränkung der gewerblichen Strafhausarbeit zu verlangen, uni zwar in dem Sinne, daß die hier angedeuteten üblen Folgen derselben behoben werden. " Dieser Antrag wurde einhellig angenommen. Samstag den 4.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. April 1903, S. 19, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7207-ersuchen-um-einschraenkung-der-gewerblichen-strafhausarbeit-durch-1903).
Februar 1903 Herr Dr. Fritz Ladurner von Ehrwald verabschiedet — der dritte Arzt seit dem vor wenigen Jahren hochbejahrt in Ehrwald verstorbenem Dr. Weithaler. Ehrwald teilt eben mit vielen anderen tiroler Gemeinden das …
(Landes und Frauen - Hilfsverein vom Roten Kreuz.) Unter dem Vorsitze des Präsidenten Grafen Brandts fand gestern die diesjährige Hauptversammlung des Landes und Frauen - Hilssvereines vom Roten Kreuz statt. Anwesend war …
(Landes und Frauen hilfsverein vom Roten Kreuz.) In teilweiser Ergänzung unseres seinerzeitigen Berichtes heben wir aus dem soeben im Druck erschienenen Jahresberichte noch hervor, daß im ab g elaufenen J ahre das Anerbi …
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