Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VON DER REDOUTE ZUM GOLDENEN DACH

Jubelfeier des Innsbrucker Turnvereins anlässlich seines vierzigsten Gründungstages

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 30. Mai 1903 · Seite 18 · #Turnvereine
Seite 17. Jubelfeier des Innsbrucker Turnvereins. Frisch an Mut, Fromm im Rat, Froh das Lied und Frei die Tat. In den Pfingsttagen feiert der Innsbrucker Turnverein die vierzigste Wiederkehr seines Gründungstages. Angesichts der Tatsache, daß dieser Verein so enge verwachsen ist mit der Bürgerschaft der Landeshauptstadt, die ihre besten Söhne seit Jahrzehnten in die Reihen desselben gestellt hat, mag ein kurzer Rückblick auf die Gründungsgeschichte und den Werdegang des Vereins anläßlich seines 40. Wiegenfestes wohl erwünscht, sein. Die ersten Anfänge des Turnens in Innsbruck reichen bis in die Vierzigerjahre zurück. Bereits u Beginn derselben war der Gedanke der Grünung einer Turnanstalt in Innsbruck durch den k. k. Universitätsprofessor Hieronymus vonScari angeregt worden. Diesem Gedanken folgte rasch die Tat; denn bereits im Jahre 1844 wurde eine Privatturnanstalt unter Leitung des Wiener Turners Lerth ins Leben gerufen und der erste Turnunterricht in einigen Nebenzimmern der damaligen Redoutensäle erteilt. Dieselben erwiesen sich aber bald als zu klein und so übersiedelte denn die junge Turnerschast im Sommer in das Gartenhaus des Hofgartens. Im folgenden Winter mußte man sich mit einem größeren Wohnraume im ersten Stocke des Goldenen Dachlgebäudes begnügen. Leider schmolz die Zahl der aktiven Turnfreunde noch in demselben Jahre auf ein kleines Häufchen zusammen. Verursacht wurde dies durch den Mangel an geschulten Vorturnern und durch den Mangel geeigneter Turnlokale besonders für den Winter. So fand sich im Oktober 1844 nebst einigen Privatschülern und einer Mädchenriege, nur ein sehr kleiner Kreis zur Teilnahme an den Übungen im Goldenen Dachlgebäude ein. Im Jahre 1845 trat Lerth von der Leitung der Turnanstalt zurück und übergab gegen eine sehr geringe Entschädigung die von ihm beigestellten Turngeräte einer Gesellschaft älterer Turnfreunde. Die Leitung der Turnübungen, die anfangs 1845 in den alten Lokalen und soäter in zwei Nebenzimmern der Redoütensäle betrieben wurden, übernahmen die Herren Professor Baumgartner und Karl Adam. Eine entscheidende Wendung trat mm im Jahre 1847 durch die Ernennung des erstell ständischen Turnlehrers in der Person des Josef Dobrovich ein. Das bisher nur aus einen kleinen Kreis beschränkte Turnwesen erfuhr durch die Heranziehung der Schüler der verschiedenen öffentlichen Unterrichtsanstalten zum regelmäßigen Besuche der Übungen, sowie durch die Teilnahme der Jungmannschaft der Stadt an denselben, eine wohltuende Verallgemeinerung; gleichzeitig wurde auch
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. Mai 1903, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7250-jubelfeier-des-innsbrucker-turnvereins-anlaesslich-seines-1903).

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