Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VON DER NONNE ZUM GANZTAGSFEST

Ursprung und feierliche Gestaltung des Fronleichnamsfestes

Feuilleton. Fronleichnam in alter Zeit. Von v. H. Das Fronleichnamsfest, eines der höchsten christlichen Feste, wenigstens was den Pomp anbelangt, mit dem es gefeiert wird, soll die Ergänzung für den grünen Donnerstag sein, an dem das Andenken an die Einsetzung der Eucharistie wegen der allgemeinen Kirchentrauer licht freudig begangen werden kann. Die Legende erzählt, es sei der frommen Reklusennonne Jnliana Falkonieri zu Lüttich in einer Vinon der göttliche Auftrag zuteil geworden, aus oben genanntem Grunde noch dieses besondere Fest zu stiften. Sie stieß, mit ihrem Vorhaben auf mancherlei Widerspruch, betrieb aber dasselbe mit großer Beharrlichkeit, bis endlich der neuerwählte Papst Urban IV., der früher Archidiakon zu Lüttich gewesen war, die Bewilligung zu diesem Feste gab, worauf dann die kanonische Einsetzung erfolgte. Der berühinte Scholastiker und Kirchenlehrer Thomas von Tquinv fall das Festofficium verfaßt haben und zum Danke vom Papste mit einer silbernen Taube beschenkt worden sein. Die folgenden Päpste bestätigten die Bulle und so war die Fronleichnamsfeier bald in der ganzen Christenheit als allgemeines Sommerfest eingeführt. Alles was die schöne Jahreszeit an Blumen, und Laubgewinden bot, vorzüglich der frischgrüne Schmuck der jungen Bickenbäume, mußte zur Verschönerung des ' Festes dienen. Besonders auf dem Lande, für dessen Bewohner dasselbe als Bittsest um reichen Ertrag der Feldfrüchte eine weitere Bedeutung erhält, gestaltete sich die Feier in ursprünglich schöner, fast poetischer Weise. Der lange festliche Zug der Beter mit den wehenden Fahnen und geschmückten Bildern, die weißgekleideten, bekränzten Kinderscharen, die malerischen Schützenkompagnien, die in manchen Gegenden, zum Beispiel in Tirol, die Feier verherrlichen; diese ganze Staffage hineingestellt in die
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. Juni 1903, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7259-ursprung-und-feierliche-gestaltung-des-fronleichnamsfestes-1903).

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