Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
EIN THEATER, DAS NICHT AUSSTARB

Ehrentag Ferdinand Exl mit Uraufführungen im Adambräu-Theater

(Benefiz Ferdinand Exl.) Von allen Tiroler Bauernbühnen, welche in den letzten Jahren entstanden sind, ist nur eine noch vorhanden, die trotz aller Hemmnisse und Anfeindungen heute fester denn je steht. Exls Bauerntheater im Adambräu. Me übrigen sind Längst verschwunden. Die Erfolge der Exl ' schen Bühne sind zum großen Teile dem von den besten Absichten geleiteten Direktor Ferdinand Exl zuzuschreiben, der Mn « Mühe und kein Opfer scheut, um feinem Publikum gediegen« Darstellungen zu bieten. Es ist also ganz begreiflich, daß an feinem Ehreuabende ( Sonntag, den 35. d. M.) der Saal nicht nur bis auf das letzte Plätzchen besetzt war, sondern noch Dutzende an der Kaffe umkehren mußten. Freilich mag diesen Andrang zum Teile auch der Umstand erklären, daß der Theaterzettel für diesen Abend einen besonderen Genuß versprach, nämlich zwei Uraufführungen von bekannten Autoren, den Einakter „ Der Naz ", von unserem heimischen Schriftsteller Franz Kranewitter und das vieraktige Bolksstück „ Brennende Liab " von Raimund von Leon, dem Verfasser der „ Deutschen Bauern ". Kranewitter nennt sein neuestes Werk eine Groteske und hat mit dieser Bezeichnung ganz recht, denn wir wüßten wirklich keine Form ver dramatischen Dichtkunst, in welche der „ Naz " besser Hineinpassen würde. Dieses durch und durch originelle Werk hat meines Wissens kein Vorbild in der ganzen Literatur. Der „ Naz " ist üne Tragödie des krassesten Geizes und der rücksichtslosesten Habsucht, der das sichtbare handelnde Auftreten des Todes ein so tiefernstes Gepräge und eine so unheimliche Stimmung verleiht, Haß der Zuschauer dadurch ganz hingerissen und zu atemloser Aufmerksamkeit gezwungen wird. Von den Darstellern es Stückes ist besonders Hr. Schädler hsrvorzuheben, der mit vollem Verständnis für die Absichten des Dichters in der Titelrolle eine wahre Musterleistung bot. Er war nicht nur in der Maske, sondern auch mit jeder Bewegung, mit jedem Wort der vollendete Geizhals. Tie Damen Gstöttner und Herzt als Thres und Annalies spielten ihre Rollen recht flott und lebendig, wenn auch zu wenig dämonisch.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Oktober 1903, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7339-ehrentag-ferdinand-exl-mit-urauffuehrungen-im-adambraeu-theater-1903).

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