Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HEILIGE MÄDCHEN MIT SYMBOL

Gedächtnis der hl. Katharina aus Alexandrien und ihre Bedeutung im Volks- und Kirchenglauben

Feuilleton. Katharineniag. Ein Kalenderblatt zum 25. November, Von CH. A. (Nachdruck verboten.) Au der Grenze von Herbst und Winter steht km Kalender der Gedächtnistag der hl. Katharina, deren Namen in mancherlei Hinsicht der Gegenstand von Erinnerungen zu sein verdient, denn dieser Tag hat nicht nur ein bedeutendes Ansehen in der katholischen Kirche, sondern auch im gewöhnlichen Leben. Ein alter, allerdings etwas derber Denkreim besagt: Barbara mit dem Turm, Margaretha mit dem Wurrch Katharina mit dem Radl, Sind die drei heiligen Madl. Diesss Spruch ist insofern beachtenswert, als er von der hohen Verehrung Kunde gibt, deren sich die Heilige neben den zwei anderen Jungfrauen erfreute und auch heute noch rühmen kann. Während Barbara als Schutzheilige der Architekten und Bergleute angerufen wird, hatte Margaretha mit ihrem ( Gedenktage einen wichtigen Bestimmungstag im altdeutschen bäuerlichen Rechte und infolge dessen auch große Verehrung. Die heilige Katharina aber ist auch vielseitig in ihren Beziehungen zum Denken und Glauben des Volkes. Da sie unter den kanonisierten Heiligen mehrere Namensschwestern hat, unter anderen die von Genua, von Bologna, von Siena, von Ricci, von Schweden, trägt sie als Unterscheidungszeichen die Benennung von Alexandrien ( in Ägypten). Dort lebte sie im Anfänge des 4. Jahrhunderts. Sie war von vornehmer Geburt, besaß großen Reichtum und war ausgezeichnet durch gründliche Bildung in christlicher und weltlicher Wissenschaft. Bis Kaiser Maximinian im Jahre 303 die Christenverfolaung in Ägypten und Syrien erneuerte, erlitt sie nach mehrfachen Martern den Tod durch Enthauptung; ein Rad, daS zu ihrer Hinrichtung bereitet wurde, zerbrach nach der Legende vor seiner Anwendung, daher neben dem Schwert dies ihr Abzeichen in der Kunst geworden ist. Sie trägt manchmal als Zeichen auch ein Buch, da sie bei der Verteidigung ihres Glaubens eine Gelehrsamkeit an den Tag legte, die eines Kirchenlehrers würdig wäre, weshalb sie nicht selten in Begleitung des hl. Hieronymus abgebildet wird. Die Krone bedeutet den Sieg und ewigen Lohn, Schwert und Rad ihren Martertod, das Buch ihre Weisheit; in dieser Darstellung liegen auch die Gründe
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. November 1903, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7361-gedaechtnis-der-hl-katharina-aus-alexandrien-und-ihre-bedeutung-im-1903).

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