Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VOLKSKÜCHE MIT KLASSENSPRUNG

Neue Räume und neues Leben in der Innsbrucker Volksküche

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 23. Jänner 1904 · Seite 5 · #Volksküche
(Die städtische Volksküche.) Von dem Zeitpunkte der Übersiedlung der Innsbrucker Volksküche aus dem alten, kleinen Gebäude in der Herrengasse in die Ränme über der Schlachts anshalle ist ein neuer erfreulicher Aufschwung dieser menschenfreundlichen Einrichtung zu verzeichnen. Hohe, lichte und weite Räume, die sich durch ihre Einfachheit und mustergültige Reinlichkeit auszeichnen, dienen nun den Min derbemittelten als behagliche Speisestätte. Um einen sehr billigen Preis erhalten sie hier schmackhaft zubereitete Speisen in mannigfacher Auswahl und in mehr als ausreichender Menge. Mit Eifer und nimmer ermüdender Schaffrrrrgs - ' sreudigkeit waltet in den; neuen Volksküchen Heime das Tamenkomitee, an dessen Spitze bekanntlich die 6Zemah! in unseres Bürgermeisters, Frau Marie Greil steht: als Wirtschafterin und Küchenleiterin wurde eine sehr tüchtige Kran in der Person des Fräulein Fannv Aschinge; gewonnen, welche zuvor in großen Wirtschaftsinstituten Deutschlands und zuletzt in der Kreis irrenanstalt in München in Diensten stand. Was das Ansehen der Volksküche nur hebe;; kann, ist die erfreuliche Tatsache, daß von Zeit zu Zeit auch Herren, die den besten Gesellschaftskreisen angehören, der Küche unangemeldet einen Besuch abstatten, nm sich durch eitle persönliche Kostprobe von der Güte ihrer Erzeugnisse zu überzeugen. Eine nicht uninteressante Beobachtung tritt seit der Eröffnung der neuen Volksküchenräume zutage — das ständige Publikum hat teilweise gewechselt. Gewissen Lichtscheuen Elementen, die die frühere Volksküche ständig besuchten, scheint der Sinn für Ordnung und Reinlichkeit gänzlich zu fehlen; denn sie meiden, gottlob heute die Anstalt. Diese ist nun nach fünfjähriger, mit Energie önrchgesührter Arbeit, das tatsächlich geworden, was ihr Name schon andeutet: eine öffentliche Speischalle, in der sich um ein geringes Geld jeder anständige Mensch ein Essen verschaffen kann, welches ihn: nährt und sättigt, ohne an den Geldbeutel irgend eine nennenswerte Anforderung Zn stellen. Und darin liegt aber die unvergleichlich große volkswirtschaftliche Bedeutung der Volksküche in ihrer heutigen Gestaltung.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 23. Jänner 1904, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7398-neue-raeume-und-neues-leben-in-der-innsbrucker-volkskueche-1904).

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