(Fortsetzung folgt.) Für die Blinden Tirols. So sehr in einzelnen Städten Tirols die charitätive Fürsorge entwickelt ist, insbesondere aus den Gebieten der Armen und Waisenpflege, ebenso sehr fehlt es an dem nötigen Voranschrei- Len oder Schritthalten von Seite des Landes. Der Grund hievon ist lediglich darin zu suchen, daß die finanziellen Verhältnisse Tirols es nicht gestatteten das Beispiel ariderer Kronländer Österreichs nachzuahmen, so dringerrd es auch einer erweiterten sozialen und Humanitären Fürsorge bedarf. Nur zwei wichtige Gebiete wurden in letzter Zeit gefördert u. zw. die zeit und zweckgemäße Umgestaltung der Jrrenpflege durch Erbauung neuer Irrenanstalten durch das Land und die Besserung der Verhältnisse der Pellagrakranken, Ln welch letzterem Falle die k. k. Regierung werktätig und bahnbrechend eingriff. Ein großer notwendiger mrd wichtiger Zweig sozialer Hilfe fand jedoch bisher fast gar keine Unterstützung und das ist der der Fürsorge für die Blinden des Landes. Das Land hat in dieser Frage keinen Akt der Großmut zu verüben, sondern eine Pflicht zu erfüllen, der es sich nicht mehr länger entziehen kann. Das heutige Blindenwesen, wie es sich durch ein Jahrhundert entwickelt hat, stellt sich zur Ausgabe: 1. Den Unterricht und die Erziehung der Blinden; dies geschieht in eigens für Blinde eingerichteten Instituten und Schuren. 2. Die Fürsorge für den erw a ch f cueu Blin d e n, der als Arbeiter, Handwerker, Musiker, Klavierstimmer re. sein Brot zu verdienen sucht. 3. Die Versorgung invalider, arbeitsunfähiger und altersschwacher Blinder in für sie eingerichteten Anstalten, wo ihren Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Da? Wesen aller Dinge ist nach Pythagoras die Zahl: Zahlen führen die deutlichste Sprache. Tirol zählte nach dem letzten Sanitätsausweise am Schlüsse des Jahres 1902 537 Blinde, die nicht in einem Blindeninstitute untergebracht waren. Von diesen hatten 6 ein Alter unter 5 Jahren, 10 ein Alter von 5 — 10 Jahren, 10 ein Alter von 10 — 15 Jahren, 16 ein solches von 15 — 20 Jahren; die übrigen stehen im Alter von 20 — 70 Jahren. In Versorgungsanstalten (nicht in Blinden - Versorgungsanstalten) konnten von 537 Blinden nur 37 untergebracht werden. Blind geboren waren von 537... 66, erblindet durch infektiöse Augenentzündung der Neugeborenen 16, durch Blattern 22, durch andere Krankheiten 311, durch Verletzungen 85. Von den 537 Blinden gehörten dem Berufe nach 379 der Bodenkultur, 54 der Industrie und dem Gewerbe, 10 dem Handel und 57 anderen Berufen an. Diese Zahlen beweisen und fordern. Sie beweisen vor allem, daß für die Blindenfürsorge sozusagen nichts geschieht, da das Land zufolge Landtagsbeschlusses vom Jahre 1865 nur 2 Stipendien zu je 300 Kronen für Blinde verleiht und nur 37 in Versorgungsanstalten untergebracht werden können. Hier auf dem Gebiete der Blindenfürsorge ist die Not doppelt groß. M Hilfe soll nun im Lände Tirol in erster Linie durch die Errichtung einer Blinden - Erziehungsan stalt erfolgen. Die Bildung ist es, welche dem Blinden eine neue Welt der Vorstellungen, Gedanken und Gefühle erschließt, worin er lebt und Luft schöpft zum Ersatz für die Außenwelt, deren Anblick ihm verschlossen bleibt. Schon die Achtung seiner selbst und das Bewußtsein, daß auch er, wie jeder Sehende, nach Maßgabe seiner Anlage und Kräfte eine Stellung und einen Wirkungskreis in der menschlichen Gesellschaft ausfüllen kann, ist eine kostbare Frucht dieser Schulbildung, die ihn fern hält von der breiten Straße der Müßiggänger und Bettler.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. März 1904, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7433-notwendige-erweiterung-der-fuersorge-fuer-die-blinden-in-tirol-1904).
(Das Panorama - Gebäude abgebrannt.) Heute nachts um 21/4 Uhr kam in dem. in letzter Zeit unbewohnten Gebäude des' Panoramas der Schlacht am Berg Jsel 1809 auf bisher unbekannte Weise ein Feuer zum Ausbruche, welches bei …
(Der Brand des Panoramagebaud e s.) Das k. k. Bezirksgericht Innsbruck hatte bekanntlich gegen den Sohn der Inhaberin des früheren Zirkus Bavaria in München, David Niederhofer, das Verfahren wegen Brandstiftung eingeleit …
(Brandlegung.) Gestern abends gegen 6Uhr bemerkte der Gutsbesitzer und Metzgermeister Schlechl im Höttingerried, dass in seinem Stadel eine ungewöhnliche Helle sei; er sah rasch nach und machte die Wahrnehmung, dass dort …
(Waldbrand bei Telfs.) Aus Telfs schreibt man uns unter dem 31. Mai: Auf unerklärliche Art fieng heute mittags 2 Uhr der schön bestockte Föhrenwald am Zimmerberg, * /? Stunde von Telfs an zu brennen. Infolge der großen H …
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