Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
CHOR AUF DER NEUEN SEITE

Zweites außerordentliches Konzert des Musikvereins mit Parsifal-Abendmahlszenen

R. M. (Das II. außerordentliche Konzert des Musikvereins am 18. d. Mts.) War bisher dem stets bewährten gemischten Chore des Vereins ( durchschnittlich 200 Mitwirkende) die Ausführung großer Oratorien der Prüfstein seines vielseitigen Könnens, so ist ihm diesmal in einer wohlbedachten Auswahl kleinerer Chorwerke der Neuzeit keine leichtere Ausgabe gestellt, da sämtliche Stücke nur für große und Leistungsfähige Chöre berechnet, sehr hohe Anforderungen stellen. Das Programm beginnt nach dem Lohengrin - Vorspiel, welches als besonders entsprechende Einleitung der Parsifal- Musik vorausgeht, mit den Abendmahlszenen aus Parsifal. — Ist das Riesenwerk Wagners „ Der Ring des Nibelungen " sowohl dichterisch, dramatisch und musikalisch von einer erstaunlichen Formvollendung, so bedeutet Parsifal damit verglichen dennoch einen entschiedenen Fortschritt. Ohne seinen Prinzipien untreu zu werden, macht der Meister hier dem Reinmelodischen größere Konzessionen und läßt den Chor in umfangreicherem Maße zu Worte kommen, dabei schwingt sich die ethische Bedeutung des Parsivaldramas zu einer Höhe auf, aus der es nicht nur unter den übrigen Werken Wagners, sondern in der gesäurten Musittiteratur einzig dasteht. Dieser tiefreligiöse, empfindungswarme Hauch, welcher uns aus Dichtung und Musik enrgegenweht, die absolute Lauterkeit, dieses durchaus ideale Emporstreben und Ringen nach dem Großen, Edlen und Schönen muß gerade in unserer Zeit ungemein sympathisch und erhebend wirken. Um dem allgemeinen Verständnisse dieser Nummer vorzuarbeiten, wollen wir einiges über Persisch seit dessen Aufführungen in Amerika wo Hk das meistbesprochenste Kunstwerk der Neuzeit, in kurzen Worten vorausschicken. Die Parsivalsage ist im 12. Jahrhundert im südlichen Frankreich mit der schon älteren Sage vom heiligen Gral verbunden und vom Minnesänger Wolfram von Eschenbach der deutschen Poesie einverleibL worden. Parsifal heißt nach Wolfram unbi Wagner „ der reine Tor ", d. h. der unschuldige, unwissende, reine, nur durch sein Mitsühlen (bei Wagner Mitleiden) zu innerster Teilnahme für die Mitmenschen geborene Mensch Gral ist nach der Legende das heilige Gesäß, in welchem das Blut Christi in einem von König Titurel erbauten Tempel Montsalvat in Spanien ausbewahrt und gehütet worden. ZnrH Schutze des Heiligtums waren die Tempelritter bestellt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. März 1904, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7434-zweites-ausserordentliches-konzert-des-musikvereins-mit-parsifal-1904).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Literatur, Theater & Musik“

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |