in einer Audienz diesen Apparat vorführen und die russische Marineverwaltung bestellte sofort eine größere Anzahl dieser Apparate. Dies führt uns sofort zu dem Hinweise, welche Bedeutmrg die. Schwimmkunst im MLlitärwesen hat, insbesondere in Ländern, wo das Brückenbanwesen noch wenig entwickelt ist, und dies ist auch der Schlüssel für die Tatsache, weshalb es im Altertum verhältnismäßig mehr tüchtige Schwimmer gab, als in neuerer Zeit. Wenn die alten Griechen einen Menschen von »außerordentlicher Ungeschicklichkeit bezeichnen wollten, sagten sie sprichwörtlich: „ Er kann weder lesen noch schwimmen! " Julius Cäsar war eben dieser Meinung und hielt die Kunst zu schwimmen für sehr nützlich im Kriege und zog daraus manchen Vorteil. Bei den Griechen wurde besonders Skillias als Dauerschwimmer gerühmt, der eine Strecke von vier Stunden, zuerst sogar unter dem Wasser, da ihn die Perser verfolgten, zurücklegte, um zu seinen Genossen zu gelangen. Auch die Schwimmkunst Leanders, der nachts den Hellespont durchschwamm, um zu seiner Hero zu gelangen, muß hier erwähnt werden, wenn diese Leistung auch in unserer Zeit überboten wurde, und zwar durch einen Mann, der nicht nur auf dein Gebiete der Schwimm- Jmrsbrucker Nachrichten! künst Bedeutendes leistete, nämlich durch Lord Byron, den unsterblichen englischen Dichter. Am 3. Mai 1810 schwamm Byron in 70 Minuten von Gestos nach Abydos über den Hellespont und im Jahre 1818 in vier Stunden und zwanzig Minuten in Venedig von Lido nach der Stadt durch den großen Kanal bis zur Lagune von Fisina. Um aber zum Altertum zurückzukehren, so sei erwähnt, daß besonders in der römischen Kaiserzeit die Schwimmkunst sehr gepflegt worden zu sein scheint, zumal nachdem Tacitus in seinen Kriegen mit den Germanen die Erfahrung gemacht hatte, daß diese viel bessere Schwimmer seien als die Römer und daher vor diesen in vieler Beziehung im Vorteil waren. Seitdem wurde in Rom das Schwimmen militärisch geübt und es wird von Nnem Schwimmer berichtet, der im Jahre 106 nach Obrosto eine dreistündige Schwimmtonr im Meere unternahm. Auch Schwimmer, die als Artisten ihre Kunst für Geld sehen ließen, traten in der Kaiserzeit in Rom mehrfach auf. Dann mag wohl im Mittelalter das Schwimmet: in Mißkredit gekommen sein, denn aus dieser Zeit hört man nichts von berühmten Schwimmern. Wohl das erste Lehrbuch, das in der Kunst des Schwimmens unterrichtete, erschien im Jahre 1638 und betitelt sich: „ Colymbetas oder ein Gespräch über die Kunst zu schwimmen. " Gleichwohl verlor sich die Schwimmkunst mehr und mehr, und erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in der ja die zahlreichen Kriege wohl Anlaß zur Erneuerung dieser Kunst mitgegeben haben mochten, gelangte das Schwimmen wieder zu einiger Geltung. In Deutschland machte sich besonders Johann Bernhard Basedow, der große pädagogische Reformator ( geb. 11. September 1723, gestorben 25. Juli 1790), Guts Muths, der Mitbegründer der Turnkunst ( geboren 9. August 1759, gest. 21. Mai 1839), Johann Peter Frank, der Begründer der öffentlichen Gesundheitspflege ( geb. 19. März 1745, gest. 24. April 1821) und der Pädagoge Vieth ( geb. 8. Jänner 1763, gest. 1836) um die Verbreitung und Belebung der Schwimmkunst verdient. Sie alle waren aber nicht nur theoretische Vertreter der Schwimmkurse, über welche Guts Muths im Jahre 1798 ein Noch heute nicht wertloses Lehrbüchlein veröffentlichte, sondern auch selbst tüchtige Schwim¬ Nr. 146. Seite 17. mer, und von Basedow erzählt man, daß er allerlei lustige Kunststücke im Wasser beim Schwimmen aussührte, um die den berühmten Pädagogen manch moderner Artist beneiden würde. Das Schwimmen wurde denn auch um die Wende des achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert nicht nur in den Lehranstalten eingeführt, sondern auch im Volke geübt, und als am 19. Juni 1800 von der fränkischen Rheinarmee der Donauübergang geschah, gab es eine Kompagnie Schwimmer, die zuerst über den Strom fetzten, sich noch nackt und naß gegen den Feind schlagen und auf den: jenseitigen Ufer festen Fuß fassen mußte. Ein Gleiches geschah später am 15. September bei dem Übergange über die Salza. Der General, der selbst mitschwamm — sein Name wird leider nicht berichtet —,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. Juni 1904, S. 17, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7507-die-bedeutung-der-schwimmkunst-im-militaerwesen-und-ihre-1904).
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