Seite 20. Nr. 189. Innsbrucker Nachrichten Samstag Ken 80. August 1904. einfachsten Anweisungen des Arztes anszusühren; es werden vielfach die allereinfachsten Erfordernisse einer Krankenpflege außer acht gelassen, eine Sorglosigkeit, welche namentlich bei Ansteckungsgefahren verhängnisvoll werden kann. Es ist nun aber ausgeschlossen, daß eine Krankenpflege, welche derartigen Mißständen auf dem Lande Abhilfe bringen könnte, durch einen weiblichen, krankenpflegenden Orden übernommen werde. Deshalb ist man in verschiedenen Ländern, Die Bayern, Rheinland, Steiermark darangeaangen, Kurse zur Ausbildung weiblicher Krankenpflegerinnen zu eröffnen. Me Einrichtung begegnete anfänglich wohl nranchem Mißtrauen und vielfachen Schwierigkeiten, aber sie hat sich bereits bewährt und ist über die ersten Anfänge schon hinausgekommen. Diese Krankenpflegerinnen werden über Veranlassung der Gemeinden ausgebildet, nach Ablauf des Kurses geprüft und übernehmen der Gemeinde gegenüber, gleich den Hebammen, bestimmte Verpflichtungen. Ihre Aufgabe kann kurz dahin bezeichnet werden, daß sie dem Arzte zur Hilfeleistung beigegeben sind, ihm die ersten Berichte einer Erkrankung senden, seine Anweisungen zur Ausführung bringen und für die Krankenpflege soweit möglich Sorge tragen. Der Landesverband „ Barmherzigkeit " hat sich nun die Erfahrungen anderer Länder zu Nutzen gemacht, diese Einrichtung den Tiroler Verhältnissen anznpassen gesucht und die geeigneten Schritte zur Eröffnung eines solchen Kurses unternommen. Das Unternehmen wäre nicht ausführbar, wenn nicht die hohe k. k. Statthalterei sowie die Sanitätsbehörde und das Profesforenkollegium der medizinischen Fakultät, Werners die löbl. Stadtvertretung von Innsbruck und die Direktion des Allgemeinen Krankenhauses demselben ihre Förderung angedeihen hätten lassen und in so freundlicher Weise dem Plane entgegengekommen wären. Der Landesverband verhehlt sich durchaus nicht, daß einem solchen Unternehmen auch in Tirol große Schwierigkeiten sich entgegenstellen werden. Aber die Not auf dem Lande, das Bedürfnis nach besserer Krankenpflege ist zu groß, als daß man nicht daran gehen sollte, einen solchen Versuch zu wagen. Es ist kaum zu bezweifeln, daß eine solche Einrichtung, sobald .deren Nutzen erkannt und erprobt wird, zu einer ständigen Einrichtung werden wird. Der Landesverband wendet sich nun an die hochw. Seelsorger, die Gemeindevorstehungen und Gemeindeärzte mit der Bitte, das Unternehmen fördern, respektive ihr Interesse demselben zuwenden zu wollen. Der erste Kurs wird im Herbste dieses Jahres begonnen werden, u. zw. zunächst mit einer nur geringen Zahl von Aspirantinnen ( sechs bis zehn). Der Landesverband „ Barmherzigkeit " übernimmt die Fürsorge für Wohnung und Verpflegung, wofür von welche geeignete Personen ausbilben lassen wollen, eine geringe Gebühr zu zahlen ist. Me Gesuche um Zulassung zu diesem Kurse sind an den Landesverband der kathol. Wohl- Lhätigkeits - Unternehmungen von Tirol „ Barm Herzigkeit " in Innsbruck zu richten.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. August 1904, S. 20, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7546-erster-kurs-zur-ausbildung-weiblicher-krankenpflegerinnen-in-tirol-1904).
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