DterkSAg, kn 14. Februar 1905. FmrWrrrcker Nachrichts» Nr. « 36. Seite 7. folgt in er Regel vor allen Ort größen. Außer den Schleichern gehören zu den tanzenden Figuren der Wirt und die Kellnerin, Tuxer und 'Tuxermnen, sowie Senner und Sennerin. Wählend die Schleicher im Kreise stehen, kredenzt die Kellnerin dem Wirte ein Mas Wein, welcher nun die zu feiernbe Person dreimal hoch- ^eben läßt, wozu die Schleicher jedesmal mit zhren Schellen läuten. Ist der Wein ansge- ^trunken, wirft der Wirt das Mas über die Schulter und dann beginnt der eigentliche Tanz — das Schleichen. Einer hinter dem anderen schreiten die Tänzer in rhythmischer Bewegung im Kreise herum, nach ' jedem Schritt eine große Pause machend. Dazu machen die Schellen aller Schleicher den entsprechenden Lärm. Zn der Mitte des Kreises tanzen Tuxer und Tuxerin, sich ' beide an einem Bergstock haltend. Längs der inneren Seite des Kreises, jedoch ' in viel schnellerem Tempo als die übrigen tanzen Sender und Sennerin. Während die letztgenannten Figuren sich durch ihre Kleidung als Vertreter der Landbevölkerung repräsentieren, haben die Schleicher eigentlich nichts bäuerisches an sich. Ihre Kleidung besteht in kurzer Hose und Jacke, gewöhnlich aus Samt oder Seide, reich mit Goldborden verziert, weißen Strümpfen, Schnallenschuhen und einem Hut. Dieser Hut ist ' das Interessanteste an der ganzen Figur. Meist ein künstlicher Bau von ein Meter Höhe, enthält er oft recht nette Ideen aus den: Anschauungskreise des Volkes dargestellt. Wir sahen als Darstellungen auf Hüten: einen Raubvogel über einem Felsen schwebend, unter den sich scheu ein Schaf drückt; auf einem dicht mit Kornähren und Chanen umflochtenen Hut sitzt ein riesiger Schmetterling; in einem rosenheckenumsponnenen Mürchenschlosse schlummert ein Dornröschen, wie die Verse überm Burgtor künden; auf einem Drachen reitet ein kleines Männlein ( Prinz Karneval); auf einem Baume, an dessen Fuße eine grünschillernde Schlange lauert, sitzt eine weiße Taube. So zeigt jeder Hut in farbenfroher Weise eine andere Symbolik. Die Hüte sind begreiflicherweise ween ihres Oiewichtes sehr fest angeschnallt, so aß jeder Schleicher unter den Zuschauern einen Gehilfen hat, der ihm den Hut im Bedarfsfälle abnehmen hilft. Zur vollständigen Ausrüstung eines Schleichers gehören noch ' in die Rechte eine kleine Fahne, in die Linke ein Aacktuch. Die Schleichergruppe, meist gegen 30 Personen, ist die Hauptsache der Veranstaltung und auch das eigentlich volkstümliche daran. Alles übrige ist mehr Beiwerk. Z ^ m Ordnungmachen sind die „ Wilden " da, ganz in Baumbart gehüllte
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Februar 1905, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7659-beschreibung-des-schleicher-tanzes-bei-einem-tiroler-volksfest-1905).
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