Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
55 PROZENT STEIGUNG FÜR ZIEGEL UND ZUKUNFT

Vortrag über die projektierte Drahtseilbahn zum Hungerburg-Plateau

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 9. Mai 1905 · Seite 5 · #Hungerburgbahn
(Die Drahtseilbahn zum Hungerburg - Plateau.) Der behördlich autorisierte und beeidete Zivilingenieur und Inspektor der k. k. Staatsbahneu, Herr R. Ritter v. Meinong hielt am 1. Mai im technischen Klub einen Vortrag über die von ihm projektierte Drahtseilbahn auf das Hungerburg - Plateau. Nach einigen einleitenden Worten über bas Wachsturn! der Städte im allgemeinen, das Anwachsen der Stadt Innsbruck im besonderen und das Bestreben der letzteren, zu ihrer Ausdehnung Terrain zu gewinnen, wies er darauf hin, daß das klimatisch und landschaftlich bevorzugte Hungerburg - Plateau für diese Ausdehnung bisher nur wegen der mangelnden Verbindung rnit der Strecke nicht irr Betracht gekommen ist. Nachdem die verschiedenen Verbindungs - Möglichkeiten beleuchtet worden warerr, wobei sich eine Drahtseilbahn als am geeignetsten erwies, begründete er die Wahl der von ihm vorgefchlagenen Bahntrasse, welche aur rechten Jnnufer nächst der Kettenbrücke beginnt und beiläufig 100 Meter östlich von der Hungerburg am Hungerburg - Plateau ausmündet, sowohl. in baulicher, wie in wirtschaftlicher Beziehung, insbesondere aber den eminenten Werk der Wahl des Aufstiegspunktes am rechten Jnnufer nächst der Kettenbrücke, welcher nicht nur am Ende des frequentesten Spazierganges Innsbrucks, sondern auch unmittelbar an den Stadtbahn- Linien, welche vom Berg Jsel und vonr Bahnhosplatze zur Kettenbrücke führen, und zweifellos infolge dieser günstigen Verbindungen im Interesse der Bevölkerung Innsbrucks liegt. Eine Beschreibung der ungefähr 1809 Meter langen Bahn, deren Längenprosil, welches mit 16 Prozent zu steigen beginnt und mit 55 Prozent endigt, des beabsichtigten Unterbaues, der mechanischen Einrichtung, des ungefähr drei Zentimeter starken Drahtseiles, der automatischen Ausweiche, der Personenwagen, welche 59 Passagiere fassen sollen, der Lastwagen, welche die billige Beförderung ganzer Ziegelfuhrwerke auf das Plateau möglich machen und der Sicherheitsvorkehrungen riefen ein deutliches Bild des Projektes bei den Zuhörern hervor, welches noch durch die aufgelegten Pläne vervollständigt wurde. Der Verkehr soll ein sehr dichter, Sommer und Winter hindurch geführter werden ( alle zehn Minuten fahren gleichzeitig Wagen von oben und unten ab) und bei der Bewältigung desselben ist auch auf die Beförderung von Lasten Rücksicht genommen. Die mutmaßlichen Verkehrsziffern stellen bei einem sehr geringen, etwa 49 Heller für die Tour und Retourfahrt betragenden Fahrpreis eine Rentabilität ' in Aussicht und es ist nur zu wünschen, daß der baldigen Verwirklichung dieser im öffentlichen Interesse und besonders im Interesse der Bewohnerschaft Innsbrucks gelegenen Bahn keine Hindernisse erwachsen mögen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. Mai 1905, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7741-vortrag-ueber-die-projektierte-drahtseilbahn-zum-hungerburg-plateau-1905).

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