Die passive Resistenz der Eisenbahner. / Auch im Bereiche der Innsbrucker Staatsbahn - Direktion und aus den benachbarten Südbahnlinien hat heute früh um 8 Uhr, wie wir vernehmen, die passive Resistenz der Eisenbahner begonnen. Ehe wir darüber näher berichten, teilen wir in folgendem mit, welchen Erfolg die Verhandlungen der Vertreter der Angestellten der böhmischen Linien mit einem Vertreter des Eisenbahnministeriums hatten. Zwischen der Organisation der Eisenbahnbediensteten, welche zu Verhandlungen bezüglich der Beilegung der bestehenden Differenzen bevollmächtigt wurde, und dem Vertreter des k. k. Eisenbahnministeriums fand am Samstag abend bei der k. k. Staatsbahndivektion in P r a g eine Verhandlung statt, bei der der Vertreter des k. k. Eisenbahnministeriums dkd folgende Erklärung abgegeben hat: ' „Das Eisenbahstministerium erklärt die von einem Teile der Bediensteten der k. k. Staatsbahnen seit einigen Tagen praktizierte mißbräuchliche Anwendung der Instruktion für den Verschubsdienst als eine böswillige Störung der! Ordnung im Eisenbahnbetriebe für ebenso strafbar, wie eine volle Dienstverweigerung und wäre bei Fortdauer der sowohl das Interesse des Dienstes, als die öffentliche Wohlfahrt schwer schädigenden Unordnungen genötigt, die strengsten Maßnahmen zu treffen. Die Staatsbahnverwaltung wäre aber geneigt, von der Bestrafung ausnahmslos abzusehen, wenn die Bediensteten sofort und bedingungslos zu ihrer pflichtgemäßen Dienstesausübnng zurückkchren und für die Zukunft die anstandslose und fahrplanmäßige Abwickelung des genannten Zugsverkehres gewährleisten. - Außerdem wäre die Staatsbahnverwaltung bereit, zur Aufbesserung der materiellen Lage der durch eine Oebensmittelteuerung insbesondere betroffenen Bediensteten im böhmischen Braunkohlengebiete sofort zu schreiten, indem vorerst den am meisten bedürftigen Aushilfsbediensteten der Taglohn je nach den ortsüblichen Taglöhnen, den örtlichen Dienstverhältnissen und den analogen Löhnen bei den Anschluß und Gemeinschaftsbahnverwaltnngen von 10 bis 20 Prozent ansteigend erhöht werde. Ferner wird die Zusicherung erteilt, daß bei den nächsten Besörderungsterminen das heute hauptsächlich im Verschubsdienste bestehende Mißverhältnis zwischen den definitiv Angestellten und den Taglohnbediensteten beseitigt werden wird. Auch für Befriedigung der dem Eisenbahnministerium durch Petitionen bekannt gegebenen und bei diesem eingehend erwogenen Wünsche des im böhmischen Braunkohlenbecken angestellten Personales ist. die Staatsbahnverwaltung bestrebt und plant zur Abhilfe der dringendsten Beschwerden die Zuerlennung von Lokalzulagen, die nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse, sowohl dienstlicher, als auch Privatwirtschaft! ich er Beziehung, bemessen werden sollen; es wird darüber in kürzester Zeit eine besondere Verfügung getroffen. werden. Die über ' er -;. V an weit hinausreichenden Wünsche der verschiedenen Vertreter der Bediensteten werden mit dein Bemerken zur Kenntnis genommen, daß so weittragende und in volkswirtschaftlicher Hinsicht folgenschwere Maßnahmen eingehendster Erwägung bedürfen und hiezu der Staatsbahnverwaltung, welche nach wie vor ihren Bediensteten das größte Wohlwollen entgegenbriugt und die Ausbesserung der materiellen Lage derselben zu ihren wichtigsten Ausgaben zählt, Zeit gelassen werden muß.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 8. November 1905, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7893-passive-resistenz-der-eisenbahner-und-ministeriumserklaerung-zur-1905).
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