Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
AUSWANDERER SITZEN, ARBEIT NICHT

Sitzen gelassene mazedonische Auswanderer in Innsbruck – Polizei sorgt für Abschiebung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 2. März 1906 · Seite 5
(Aufgesessene Auswanderer.) Am Sonntag früh sind 45 Mazedonier hier angekommen, die durch Vermittlung zweier Agenten bei der Vinschgaubahn Arbeit erhalten sollten. In Kärnten, also ziemlich weit weg von ihrer Heimat, erreichte die Leute die telegraphische Nachricht, daß man ihrer nicht bedürfe und keine Aussicht aus Arbeit sei. Die Agenten veranlaßten nun, jedenfalls über Drängen der Auswanderer, daß diese ihre Fahrt dennoch fortsetzten, um vielleicht irgendwo anders Verdienst zu finden. Diese Hoffnung erwies sich aber als trügerisch. Die Leute langten in Innsbruck an, stiegen hier aus und warteten auf ihre Agenten, die versprochen harten, ihnen in Innsbruck Arbeit zu verschaffen. Tie Armen geduldeten sich lange Zeit, sie warteten und hungerten Montag und Dienstag, denn sie waren mittellos, verbrachten Tag und Nacht im Auswandererlokale am Südbahnhofe hier und hofften immer auf die Rückkehr der Agenten, die aber die Leute in der schnödesten Weise sitzen ließen. Tie Polizei brachte die Verzweifelnden vom Bahnhose fort und sorgte für Verpflegung und gestern wurden alle 45 über Salz - burg bis an die Reichsgrenze abgeschoben.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. März 1906, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7948-sitzen-gelassene-mazedonische-auswanderer-in-innsbruck-polizei-1906).

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