Die Arbeiterbewegung und Aussperrung. Die christlichsozialen Bauarbeiter gegen die Aussperrung. In einer am Donnerstag abend abgehaltenen Versammlung beschlossen die ch r i st l i ch s o z i alen Bauarbeiter folgenden „ Aufruf " an alle Gesinnungsgenossen zu erlassen: „Bauarbeiter! Ein großes Unglück steht uns bevor! Die Meister haben beschlossen, am 12. Mai sämtliche Bauarbeiter auszusperren! Und warum?! Weil die Sozialdemokratie einen Streik nach dem andern hervorruft, und zwar nicht, um uns höhere Löhne zu verschaffen, sondern hauptsächlich um ihre Politik zu treiben. Was geht uns die sozialdemokratische Politik an? Wir wollen leben!! Arbeiter, wir werden einen notwendigen Streik nie verwerfen, aber wir wollen uns nicht von einer kleinen Schar Sozialdemokraten zwingen lassen. Darum, Arbeiter aus! Wir wollen beweisen, wie die größte Mehrheit der Bauarbeiter denkt. Rufen wir die Behörden zum Schutze der Arbeiter auf. Freitag nachmittag unr 2 Uhr ver-. sammeln wir uns alle im Löwenhaus und ziehen von dort zum Statthalter und zum Bürgermeister, um unsere Wünsche durch unsere Vertreter vorzutragen. Aus, Arbeiter! Erscheint alle, um diesen Vorstellungen durch! Euere Gegenwart Nachjdruck zu verleihen. Das Komitee. ". Dem Aufrufe wurde gestern von den christlichsozialen Bauarbeitern in ziemlich reicher Zahl Folge geleistet. Es fanden sich über 1000 Personen im Garten des „ Löwenhauses " ein. Als Regierungsvertreter erschien Oberkommissär von Sabvansky am Platze. Gegen halb 3 Uhr ergriff oer Arbeiterführer Franz Ulreich aus Wien das Wort und richtete an die Versammlung folgende Ansprache: „Kollegen! Ihr wißt alle, warum es sich handelt. Wir wollen durchs unseren Umzug kundgeben, daß wir nicht ausgesperrt werden wollen, weil eine Kategorie von Arbeitern um die Erreichung besserer Lebensbedingungen kämpft. Wir wollen durch unseren Umzug Eindruck machten. Hiezu ist es aber notwendig, daß sich jeder unbedingt ruhig verhält. Wir gehen zuerst zur Statthalterei, dann zum Bürgermeister, überall wird eine Deputation vorsprechen, und wenn wir fertig sind, kommen wir wieder im „Löwenhaus " zusammen. Wir werden dann das Resultat unserer Schritte und die Antworten, die uns zuteil wurden, verkünden. " ( Bravorufe.) Friseur Signorelli übersetzte die Ansprache ins Italienische, sodann ordnete man sich ' znm Zug. Es waren auch Sozialdemokraten erschienen, doch verhielten sie sich als ruhige Zuschauer. Nur hin und wieder hörte man während des Ganges zur Hofburg höhnische Zwischenrufe. So rief ein Geselle den im Zuge befindlichen Christlichsozialen Arbeitern zu: „ Ihr sollt Rosenkranz und Kreuz tragen und für die Meister wallfahrten gehen! " „Ihr Habt wohl vor recht schön zu bitten, daß man Euch Weiterarbeiten läßt! ", u. s. f. Vor der Ho ^ urg angekommen, machte der Zug Halt. Eine fünfgliedrige Deputation, bestehend aus den Herren Ulreich ( Wien), Ladner, Haidegger, Vögele und Krabichler begab sich sodann zu dem im Statthaltereigebäude amtierenden StatLhaltereivizepräsidenten Baron Spiegelfeld und wurde von diesem freundlich empfangen. Baron Spiegelfeld zeigte sich « in der Angelegenheit sehr versiert und versicherte, er wolle sein
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. Mai 1906, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7978-christlichsoziale-bauarbeiter-gegen-aussperrung-umzug-zum-1906).
(Zum Schneid erstreik.) Die Schneidergehilsen senden uns folgende Mitteilung: Das Lohn - Komitee der Meister und der Gehilfen hat sich in allen Punkten geeinigt, nur die zwei Punkte, Beistellung der Fournitur ( Zwirn, Se …
(Todesfall.) Gestern früh ist hier der aus Girlan gebürtige Studierende der Medizin Peter Hepperger im Alter von 39 Jahren gestorben. Er war ein bekannter Musiker; durch einige Zeit leitete er den Kirchenchor der Hötting …
(Die Maifeier der Arbeiter.) Der Aufruf zur Feier am 1. Mai klingt Heuer in Anbetracht des Wahlrechtskampfes bedeutend schärfer als in den Vorjahren. Er lautet: „ Arbeiter Innsbrucks! Zum siebzehnten Male naht der Weltfe …
Bund deutscher Arbeiter „Germania ". > Zur Gründung eines Zweigverbandes des Bundes deutscher Arbeiter „Germania " haben sich am Samstage hier im Gasthofe zum „ Wilden Mann ", dessen Räumlichkeiten sich als zu klein erwi …
Grundlegende Richtung (Blattlinie):
Wissenschaftlich-historische Dokumentation und digitale Erschließung gemeinfreier historischer Pressetexte aus dem Raum des historischen Tirols.
1. Grundsatz: Die Nutzung von chronik.fontes.at ist ohne Registrierung möglich. Es werden keine Werbe- oder Analyse-Tracker und keine Marketing-Cookies eingesetzt.
2. Server-Betrieb: Beim Aufruf der Website werden technisch notwendige Verbindungsdaten (IP-Adresse, Zeitpunkt, angeforderte Ressource) kurzzeitig auf unserem europäischen Server (Hetzner Online GmbH, Deutschland) zur Betriebssicherheit verarbeitet (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO).
3. Externe Faksimile-Einbindung (IIIF): Beim Öffnen der Original-Zeitungsseite lädt Ihr Browser Bildkacheln direkt vom IIIF-Bildserver der Österreichischen Nationalbibliothek (iiif.onb.ac.at) bzw. verweist auf die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol.
4. Betroffenenrechte: Auskunfts- und Löschungsanfragen richten Sie jederzeit formlos an die im Impressum genannte Kontaktadresse.
Historische Zeitungstexte: Sämtliche wiedergegebenen Originalartikel entstammen historischen Zeitungsausgaben des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (insbesondere den Innsbrucker Nachrichten, 1854–1913) und sind urheberrechtlich gemeinfrei.
Digitalisate & OCR-Grundlage: Die digitalen Faksimiles und Volltextgrundlagen basieren auf den Beständen der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULB Tirol) sowie von ANNO – AustriaN Newspapers Online (Österreichische Nationalbibliothek).
Die Tiroler Zeitungschronik bewahrt den authentischen Wortlaut und die historische Rechtschreibung der Originalquellen vor und nach der II. Orthographischen Konferenz von 1901.
Um die historischen Spaltentexte digital zugänglich zu machen, erhält jeder Originalartikel redaktionell eine Hauptüberschrift im zeitgenössischen Chronikstil des 19. Jahrhunderts sowie eine moderne Dachzeile zur raschen thematischen Orientierung.
Bitte zitieren Sie stets die zugrunde liegende historische Originalausgabe mit Erscheinungsdatum und Seitenzahl, ergänzt um den Permalink der Chronik:
Innsbrucker Nachrichten, [Datum], S. [Seitenzahl], digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/#artikel=[ID]).
Sie haben einen OCR-Lesefehler im historischen Fraktursatz entdeckt oder möchten auf einen bemerkenswerten Zeitungsbericht hinweisen?
Schreiben Sie uns gerne an redaktion@fontes.at unter Angabe des Erscheinungsdatums oder des Artikel-Direktlinks (#artikel=...).
✎ Korrektur-ModusKlicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel|
Gesammelte Änderungen in Tabelle article_edits
Diese Korrekturen sind in der Zwischen-Tabelle gespeichert. Mit Klick auf „Jetzt in Live-DB schreiben“ werden sie atomar in chronik_events_live.db samt Volltextindex übernommen.