Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
700 GESCHÜTZTE JUGENDLICHE

Würdigung des Jugendfürsorgevereins durch das Justizministerium – 700 Schützlinge in Fürsorge

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 25. August 1906 · Seite 18
Das soziale Wirken des Jugend- Fürsorgevereines. Die in den letzten Jahren auf verschiedenen Gebieten bei uns rege gewordene soziale Tätigkeit erhöht sich andauernd. Die vielgestaltige Not schreit nach Hilfe und nach ' Linderung ihrer Schmerzen. Zu den vermöge Umfang und Art der Wirksamkeit hervorragendsten Wohlfahrtseinrichtungen des Landes zählt der „ Fugendfürsorgeverein für Tirol ". Der Ende Mai erschienene, lesenswerte zweite Jahresbericht des Vereines erzählt von der in l 3 / * Fahren bis 1. Jänner 1906 geleisteten Schutzarbeit für unsere verwahrloste und gefährdete Fugend. Ein trauriges, und doch oft des erreichten Guten freudiges Bild zugleich! Seit Jahresanfang wurde der Verein schon wieder zur Rettung von 230 Jugendlichen aufgeboten, so daß dermalen 700 solcher feine Fürsorge genießen. Fast kein Tag vergeht, ohne einen neuen Schützling. Dank vieler mildtätiger Herzen, die solch arme, junge Geschöpfe meist unentgeltlich in Erziehung und Pflege nehmen, und Dank der bisherigen finanziellen Unterstützung des Vereines, die ihm Staat, Land und zum Teil Gemeinden wie Private gewähren, vermochte er seiner Aufgabe wohl gerecht zu werden. Die Art ihrer Lösung, die bei dem Massenandrang der Hilfesuchenden stets schwieriger wird, findet die Anerkennung und Zustimmung der berufensten öffentlichen Faktoren. So hat das k. k. Justizministerium in einem Schreiben aus jüngster Zeit der Vereinsleitung bekannt gegeben, daß es aus dem Berichte über das zweite Vereinsjahr mit aufrichtiger Freude von der planmäßigen, rastlosen und erfolgreichen Tätigkeit des Vereines Kenntnis genommen habe, und daß es ihm ein Bedürfnis sei, dem Verein für sein mustergebendes, segensvolles Wirken den wärmsten Dank und die vollste Anerkennung auszusprechen. Der Verein kann hierin nur einen neuen Ansporn zu fortgesetzter, eifriger Tätigkeit erblicken. Er vertraut dabei aber darauf, daß die öffentliche wie private Mildtätigkeit sich seiner wärmstens annimmt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. August 1906, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8044-wuerdigung-des-jugendfuersorgevereins-durch-das-justizministerium-1906).

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