Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
RENK – DER DICHTER MIT DEM SCHALK IM HERZEN

Vortrag über den Dichter Anton Renk und Aufforderung zur Subskription seiner Werke

(Alp enver eins - Ab end.) Der gestrige Abend der Sektion Innsbruck, zu dem ein außerordentlich zahlreiches Publikum erschienen war, wurde von der bestbekannten Salonkapelle Lyra mit einigen Musikstücken eingeleitet. Hierauf nahm der Herr Vorstand Dr. v. ZimMeter das Wort und begrüßte. die Anrvesenden auf das freundlichste. Nachdem er noch darauf hingewiesen hatte, daß für diesen Abend der Rechenschaftsbericht entfallen könne, da ohnedies infolge der Sperrung des Saales beim „ Grauen Bären " die Generalversammlung schon auf den 8. November anberaumt werden mußte, erteilte er dem Schriftleiter der „ Innsbrucker Nachrichten Herrn Josef Barbolani das Wort zu seinem Vorträge über Anton Renk. Der Redner schilderte zunächst in formvollendeter, überaus fesselnder Weise seinen vertrauten Umgang mit dem Verewigten, nrit dem er wiederholt Berg und Tal in der Umgebung von Innsbruck durchstreifte, auf welchen Wanderungen er nicht nur den Dichterfreund, sondern auch Land und Leute von Tirol kennen und lieben! lernte. Mit den Worten Roseggers „ Ren? war ein vorüberziehender Mensch ", ging er sodann auf das eigentliche Thema feiner Rede über, indem er Renk als Mensch und Dichter durchaus gelungen charakterisierte. Frei, doch fromm, wie Novalis, humorvoll, zum Spasse geneigt und doch von tiefem Lebensernste, einer schier unbezwinglichen Wehmut durchdrungen, dem der Schalk auf den Lippen, aber die Trauer im Herzen saß, ein glühender Verehrer unserer Alpennatur und der Unschuld im Kinde, so war unser Renk. Der Redner illustrierte alle diese Seiten in dem Charakter des Dichters mit trefflich gewählten Proben aus den Gedichten des zu früh Verstorbenen und schloß mit den Worten, die man als den Geleitspruch Renks betrachten kann: „EsgibtkeinenTod ". Der Redner, der beinahe 3/4 Stunden gesprochen hatte, wurde mit Beifall ausgezeichnet und vielseitig beglückwünscht. Nach kurzer Pause dankte Herr Dr. v. Zimmeter in herzlichen Worten Herrn Barbolani für seine warmen, wohlerwogenen Worte zu Ehren ' des toten Dichters, der im Leben so manches Fest des Alpenvereins zu verschönern geholfen hatte, und lud die Anwesenden ein, ihre Namen in die Subskriptionslisten für die Werke Renks einzuzeichnen, und auch in ihren Bekanntenkreisen Abnehmer zu werben, damit die Werke des heimischen Dichters bald erscheinen können. Es ist zu hoffen, daß den Unterzeichnungen, die gestern in erfreulicher Zahl geschahen, in nächster Zeit noch weitere Nachfolgen, damit die erforderliche Zahl von 200 Beziehern bald erreicht wird.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Oktober 1906, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8068-vortrag-ueber-den-dichter-anton-renk-und-aufforderung-zur-1906).

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