Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KÄMPFER PRIESTER OHNE MITTEL

Plötzlicher Tod des „Jörgele“, langjährigen Leiters der „Neuen Tiroler Stimmen“

Sam ' Äag den 1. Dezember 1906. [itwiimt « er na ch n m teu Lene Dr. Georg Jehly f. Unvermutet starb heute früh an einem 5) erz- Hchlage der langjährige Leiter des Tiroler konservativen Organs, der „ Neuen Tiroler Stimmen ", Herr Dr. Georg Jehly, Weltpriester der Diözese Trient, im Alter von 58 Jahren. Er war ein Kämpfer fein ganzes Leben lang; ihn trieb sein kampfesmutiger Geist aus dem Frieden der Pfarrhöfe heraus ins ' öffentliche Leben, irr ein Schaffensgebiet, wo es ' viel mehr und viel anderes zu tun gab, als vom Taufstein zum Traualtar, vom Totenbette zum Grabe in Sanftmut und Milde die Menschheit zu geleiten. » Er war ein Kämpfer und hat viele Gegner auf seinem Wege gefunden, unversöhnliche und überzeugte, er hinterläßt aber unter ihnen wohl keinen hassenden Feind. Das kam davon, weil er seinem gewählten Berufe nicht bloß, als Fachmann, sondern auch als Mensch angehörte; hatte ihn doch auch der innere Drang seiner Natur zu demselben geführt. Er wußte in der Polemik immer die Person von der Sache zu trennen, und wußte genau, daß er, in die Enge getrieben, mit einem Witzworte, wie ihm solche imrner zu Gebote standen, weit besser abschneiden werde, und doch wenigstens die Lacher aus seine Seite brächte, als wenn er, wie das oft geschieht, in diesem Falle mit wüsten Worten statt der Argumente käme. Niemand fiel es ein, jemals in die Haltung des Dr. Jehly in dieser oder jener. Frage einen Zweifel zu setzen; er ging seinen Weg geradeaus, und hat sich nicht bloß mit uns, mit der freiheitlichen Presse überhaupt, mit den Christlichsozialen, nein, sondern sogar des öfteren mit den geistlichen Oberen erzürnt und auch Bischöfen manche sorgenschwere Stunde bereitet. Er schrieb einen glänzenden Stil, er nahm es in der Polemik mit jedem ans, und er mußte als Zeit - Schriftsteller als eines der vorzüglichsten Talente unter unseren österreichischen Kollegen bezeichnet werden. " Die Hingebung, mit der er seinem Berufe angehörte, sein stetes Eintreten für das Alttirolertum auf allen Gebieten, im Vereine mit seinem geistlichen Gewand, dazu sein oftmaliges Auftreten als Redner in Versammlungen, waren die Grundlage einer Popularität in Tirol, wie er sie nur mit wenigen teilte. Den Namen „ ' s Jörgele ", dessen er sich später selbst des öfteren bediente, hat ihm das Volk beigelegt. „Was wird jetzt r 3 Jörgele dazu sagen ", war stets die Frage, wenn es etwas Neues, besonders auf dem Gebiete des „ lirolischen Bruderkampses ", gab. Sein Tod war seinem Leben angemessen. Er starb plötzlich man möchte sagen mit der Feder in der Hand. Die Tinte war noch nicht trocken, mit
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Dezember 1906, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8095-ploetzlicher-tod-des-joergele-langjaehrigen-leiters-der-neuen-1906).

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