Seite 5. (Gründung eines Frauenvereines rn Innsbruck.) Im Saale zum Adambräu fand gestern eine von sozialistischer Seite einberufene Versammlung wegen Gründung eines Frauenvereines in Innsbruck statt, zu der außer zahlreichen sozialistischen Frauen und Männern auch der Jesuitenpater Mathiowitz mit einer ansehnlichen Schar von Anhängern und Am Hängerinnen erschien. Als Referentin sprach Frau Popp aus Wien. Sie verbreitete sich! über die wirtschaftliche Lage der Arbeiter im allgemeinen und über die Abhilfe gegen die jetzigen Übelstände. Nur die Sozialdemokratie sei imstande Wandel zu schaffen. Die Frauen mögen ihre Männer im Kampfe moralisch unterstützen und sie auftnuntern, wenn es gilt im Lohnkampf einen schweren Streik durchzuführen. Nachdem die Referentin mit ihren überaus gewandten Ausführungen zu Ende war, erbat sich Pater Mathiowitz daA Wort, das ihm vom Vorsitzenden Flöckinger auch ohneweiteres erteilt wurde. Auf die Rede der Frau Popp aus! Wien eingehend, hob Pater Mathiowitz die guten Eigenschaften der Rednerin, ihr Rednertalent und den großen Eifer für die Interessen des! arbeitenden Standes! hervor. Er sei mit den Meisten Partien ihrer Rede einverstanden. Die Arbeiterverhältnisse seien tatsächlich « reformbedürftig. Zu ihrer Aufbesserung müssen sich, nicht bloß die arbeitenden Männer, sondern auch die Frauen vereinigen. Wenn aber von der Frau Referentin den Frauen die Sozialdemokratie als Helferin empfohlen werde, müsse er den Frauen Vorsicht empfehlen. Die Sozialdemokratie gebe nämlich ruhig denkenden Menschen Gründe zum Verdacht. Redner sprach nun des längeren über diese Partei, warf ihr vor, daß sie mit dem Judentum Hand in Hand gehe und daß ihre Presse nicht immer bei der Wahrheit bleibe. Er führte zur Illustration seiner Worte Beispiele aus der „ Volkszeitung " an. Diese Vorwürfe und and) der Umstand, daß Redner nicht zur Sache sprach, fanden in der Versammlung stürmischen Widerspruche. Es kam zu Lärmszenen. Der Vorsitzende ersuchte den Redner mehrmals) zur Sache zu sprechen und warf ihm schließlich, vor, daß er unverkenntlich gekommen sei, die Versammlung zu sprengen. (Stürmischer Beifall bei den Genossen. Widerspruch bei den christlichen Gegnern.) Pater Mathiowitz verwahrte sich, dies beabsichtigt zu haben, er sei gekommen, um die Arbeiterfrauen vor falschen Freunden zu warnen. Als ein Weitersprechen wegen des! großen Lärmes trotz der energischen Ordnungszeichen des Vorsitzenden nicht mehr möglich war, verließ Pater Mathiowitz die Rednerbühne. Nach, einem anderen Bericht wurde ihm das Wort entzogen. Nachdem noch - Frau Popp kurz erwidert hatte, wurde die Versammlung geschlossen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Dezember 1906, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8099-heftige-debatte-bei-gruendungsversammlung-eines-frauenvereines-in-1906).
Kirchliche Nachrichten. (Kirchenmusik.) Freunden der Kirchenmusik teile " wir mit, daß am Karfreitag um halb 8 Uhr in der Pfarrkirche das btabat mater und am Ostersonntage um 9 Uhr in der Jesuitenkirche die Festmesse in …
Nr. 86. Seite 37. _ Volkswirtschaftliches. (Gartenbauverein in Innsbruck.) Mittwoch den 4. d. Mts. hielt der Gartenbauverein beim „ Bierwastl " seine ordentliche Jahresversammlung ab. D » er Vorstand, Dr. Joses Winkler, …
Min. (Plaseller - Wettschreiben.) Wie alljährlich wird an einem Sonntage des Monates Juni das Plaseller - Wettschreiven in Verbindung mit einem Preisschreiben für Geschäftsstenographie abgehalten werden. Ort und Zeit wir …
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