Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KAMPF UM DAS WAHLRECHT

Berichte über die Arbeit des Wahlreformausschusses bis zur Beendigung der Beratungen im Oktober

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 4. Dezember 1906 · Seite 2 · #Reichsratswahlen
Valeria. Die Annahme der Wahlreform. Seit jenem denkwürdigen 2 8. November 19 05. an dem das allgemeine und gleiche Wahlrecht von der österreichischen Regierung zum Programm erhoben wurde, hat die Wahlreform alles politische Interesse in Anspruch genommen. Nachdem die schwierigen Studien und Arbeiten in den Ministerien vollendet waren, wurden am 23. Februar d. I. die neuen Wahlgesetze dem Abgeordnetenhause vorgelegt. Vom 6. bis 23. März dauerte die erste Lesung und am 27. März wählte das Haus den 49gliedrigen Wahlreformausschuß. Am 28. März konstituierte sich der Ausschuß und wählte den derzeitigen Unterrichtsminister Dr. Marchet zum Obmann, den Abg. Dr. Ploj zum ersten, den Abg. Freiherrn v. Malfatti zum zweiten Obmannstellvertreter. Aw 29. März begann die Generaldebatte im Ausschüsse, Am 2. Mar erfolgte die Demission des Freiherrn v. Gautsch wegen der Schwierigkeiten, die sich bei der Fortsetzung der Arbeiten des Ausschusses ergeben hatten, und Prinz Hohenlohe wurde mit der Kabinettsbildung betraut. Nach tagelangen Konferenzen des neuen Kabinettschefs mit allen Parteiführern nahm der Wah ^ reforntausschuß, seine Arbeiten wieder auf und am 18. Mai beschloß er das Eingehen in die Spezialdebatte. Am 25. Mai legte Prinz Hohenlohe dem Ausschüsse seine neuen Kompromiß? vorschläge vor, aber schon am 28. Mai gab Prinz Hohenlohe wegen der ungarischen Vorgänge seine Demission und zwei Tage späLer wurde Freiherr v. Beck mit der Bildung eines parlamentarischen Ministeriums betraut. Am 2. Juni erfolgte die Ernennung des neuen Kabinetts und am 12. Juni begann im Ausschuß die Spezialdebatte. Bis zum 22. Juli währte die Beratung der Wahlkreiseinteilung und am 18. September nach kurzen Sommerserien ging der Ausschuß an die Beratung der übrigen Teile der neuen Wahlgesetze. Am 20. Oktober waren die Beratungen des Ausschusses beendigt. Er hatte 61 Sitzungen abgehalten, in denen 832 Reden gehalten wurden. Die schwierigsten Fragen wurden unter der M ' nisterpräsidentschaft des Freiherrn v. Beck erledigt: die Mandatsverteilung für Böhmen, der Schutz der Wahlkreiseinteilung und die Frage der Pluralität. An die Stelle des Ministers Dr. Marchet war als Obmann des Ausschusses Dr. Ploj getreten. Die Regierung wurde in den Beratungen außer vom Ministerpräsidenten vom Minister des Innern Freiherrn v.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. Dezember 1906, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8100-berichte-ueber-die-arbeit-des-wahlreformausschusses-bis-zur-1906).

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