Literatur. Au? steinigen Wegen.. Ein Lebensgang on Rudolf Christoph Zenny, Herausgeber des „ Broker Wastl ". I. Aus de r K i n dheit Tagen. Leipzig/Verla; von Georg Wigand. Kreis 1 60 Mark. Es mag wohl etwas vorzeitig erscheinen, wenn Jenny, der 48jährige, schon mit der Veröffentlichung seiner Memoiren beginnt. Die Erklärung dürfte in dem Umstande zu suchen sein, daß der Autor, einst ein Spielball wechselvollsten Schicksals, mehr erzählen zu können glaubt, als andere Menschenkinder. Nach dem vorliegenden Einleitungsbande zu schließen — mit Recht. Sollen wir Jennys Behauptung, er habe hier nur Wahres berichtet, in Zweifel ziehen? Nein. Nur vermögen wir uns nicht überzeugen zu lassen, das gerade alles nachte Wahrheit sei, was er da erzählt. Wenn er so etwas vermöchte, er könnte kein Dichter sein. Und der Dichter verrät sich doch aus jeder Zeile. Diese Art des Lügens können wir uns gefallen lassen, es ist das Lügen des geborenen Künstlers, der die Dinge und Gestalten gewaltiger, farbenprächtiger, der sie rührender und lieblicher sieht als sie sind. Und wie er sie sieht, so zeigt er sie uns. Das Buch Jennys liest sich wie der vielversprechende erste Band eines weit ansholenden Romanwerkes. Der Autor beginnt inhaltlich und formell darin mit gewandter Hand zu bauen. Mit wenigen anderen gehört Jenny zu jenen innigen Poeten naturen, die mit überlegenem und dabei gutmütigem Humor die Dinge und Menschen bis in den Kern des Kerns schauen und erforschen, die, verbittert durch trübe Lebenserfahrungen, ein wenig WelLverachtung in den Mienen tragen und doch voll Liebe zu den Menschen sind. Mit welcher Innigkeit schildert Jenny das Verhältnis seiner Eltern zu einander und dann sein eigenes Verhältnis zu den Eltern! So in den folgenden, aus sein einst kindlich kühnes Wesen Bezug nehmenden Sätzen: „ Wohl chm (dem Vater), daß er an die fragliche Wahrheit des Spruches „ dem Mutigen gehört die Welt " geglaubt, und nicht bedacht hat, daß der Mut nur dann zu den Höhen führt, wenn er mit Glück oder Charakterlosigkeit gepaart ist.. So hat doch dieser Glaube meinem Vater hinübergeholfen in die andere Welt. Und dieser Trost wäre mir um alle Schätze und Stellen der ganzen Erde nicht feil.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Jänner 1907, S. 11, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8122-erster-band-der-memoiren-von-rudolf-christoph-jenny-ueber-seine-1907).
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