Gestern wurde die Schiller feier mit der Aufführung der „ Karls- Schüler " im festlich geschmückten und zum Erstenmale mit Gas beleuchteten Nationaltheater eröffnet. Nach dem Schauspiel setzte sich trotz des höchst unfreundlichen Wetters der Fackelzug der Studierenden durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Museum in Bewegung, wo Schillert Büste aufgestellt war. Dort wurde das von Nagiller eigens für das Fest cowponirte Lied „ Macht des Gesanges " und das „ Deutsche Lied « mit Begeisterung gesungen und sodann nach einigen aus die Feier bezügliche Worten ein Hoch auf Se. k. k. Majestät, den Beschützer der deutschen Kunst und Wissenschaft ausgebracht. Hierauf ging der Zug zum Adam - Bräu, wo der Abend mit einem großen Commers beschlossen wurde. Herr Kraft, der Pächter des „ deutschen Kaffeehauses, " der bei mancher Gelegenheit schon bewiesen, welches Geschick, verbunden mit richtigem Verständniß, er für Arrangements besitzt, bat dieses auch bet Gelegenheit der Schillerfeier wiederholt an den Tag gelegt. Aeußerst sinnig hat er nämlich in seinem schönen Lokale eine lorbeerbekränzte Glocke mitten unter Blumen - Guirlanden und Inschriften aus dem herrlichen Gedichte „ die Glocke" ausgestellt, in einer Weise, wie sie sinniger und geschmackvoller nicht leicht gedacht werden kann, und verdient das ganze Arrangement in der Tbat, daß die Aufmerksamkeit des Publikums darauf hingelenkt werde. — Daß aber bei dieser Gelegenheit Herr Kraft nicht blos für das Auge der Besucher etwas Gediegenes geboten hat, sondern daß er auch bestrebt sein wird, den Gaumen derselben möglichst zufriedenzustellen, davon möge sich Jeder selbst überzeugen und dürfte z. B. die bekannte gastronomische Komposition: „ Lied ohne Worte" unter Begleitung einer oder auch mehrerer Flaschen des glücklich in „ Schiller- Wein " umgetauften „ Nußberger " selbst dem idealsten Verehrer des idealen Dichters vortrefflich munden, und seine Begeisterung für diesen, wenn anders der » Nußberger " seine Schuldigkeit thut, um ein Erkleckliches erhöhen, zumal wenn Beides von einer im „ Flügelkleide " einherwallenden reizenden Mokka- Nymphe credenzt wird.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. November 1859, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/815-erfolgreiche-eroeffnung-der-schillerfeier-mit-theaterauffuehrung-1859).
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