Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KANALBAU OHNE KOPF

Rechtfertigung der Kanalisierungsmaßnahmen durch Bürgermeister Lantschner und Einsetzung eines Fachkomitees

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 25. April 1907 · Seite 5
Fritz Lantschner. Die Kanalisierung. Herr Dr. Lantschner beschäftigt sich mit den Mißständen unter der Erde und dH begegne ich am Anfang der geschmackvolle» Äußerung: „ der Bürgermeister trägt zwar seine Nase sehr hoch « und es ist daher sehr begreif lich, daß er sie sehr ungern in die Kanäle steckt. " Ich habe gewiß viele schlechte Eigenschaften, aber gerade die des Stolzes und der Überhebung dürste man mir am wenigsten zuschreiben, und es scheint mir, daß derjenige die Nase tatsächlich hoch trägt, der sich heraus nimmt, alles Mögliche zu kritisieren, ohne Rück -, sicht darauf, ob er davon etwas versteht. Bezüglich der Kanalisierung selbst wird Herr Dr. Josef ' Winkler die Güte haben, die nötigen Aufklärungen zu erteilen, ich will daher im allgemeinen nur bemerken, daß es für den Gemeinderat ein heroischer Entschluß war., die Kanalisierung zu bauen. Wir wußten schon vorher, daß wir der Gemeinde und den Hausbesitzern große Lasten dadurch auferlegen, welche von denselben nicht ohne Widerspruch hingenommen werden dürften. Zudem muß dieser Bau auf offener Straße durchgeführt werden^ wobei jedem Vorübergehenden Gelegenheit geboten ist, seine Beobachtungen und Äußerungen zu machen, welche meistens zu Ungunsten> des Magistrates aussallen. Warum soll es denn, in Innsbruck besser sein, überall wird ja über! den Magistrat losgezogen. Solange Herr Baurat Tochtermann die Kanalbauleitung führte und es sich um die Ausführung einfacher und leichter Strecken handelte, wurde in Regie gearbeitet, nach dem Ableben des Baurates wurden alle Kanalbauten an Unternehmungen vergeben und von Seite des Kanalbauamtes nur die Materialbeistellung und Überwachung vorgenommen. Da ich vom Kanalbau nichts verstehe, so stellte ich den Antrag, ein KanalbaukomiteL aus dem Gemeinderate zu wählen und die Ober - « leitung des ganzen Baues einem gewiegte» Fachmanne zu übertragen, welcher die Pläne zu überprüfen, neue Projekte zu liefern, die Oberleitung des Kanalbureaus und der Bauaufficht zu führen und überhaupt die volle Verantwortung für die richtige, sachgemäße und rationelle Ausführung der Kanalisierungsbaute» zu tragen hätte. Die Wahl fiel auf Herr» Oberbaurat Schmick in Darmstadt, der i» ganz Deutschland als eine Autorität im Kanal - * bau anerkannt wird. Sie sehen daher, daß wir mit der größten Vorsicht zu Werke gegangen sind, und von einer Fahrlässigkeit und Ungeschicklichkeit keine Rede sein kann.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. April 1907, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8175-rechtfertigung-der-kanalisierungsmassnahmen-durch-buergermeister-1907).

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