Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VON SCHÖNERIANERN GEFECHTELT – UND GEFECHTET

Kritische Rede Dr. Frank gegen Vetternwirtschaft, Asphaltierung und andere Gemeinderatsangelegenheiten

erwidernd, fuhr Dr. Frank sock: Ja, da waren wir aus nationalen Gründen gegen das allgemeine Wahlrecht, in Innsbruck aber kommen nationale Gründe nicht in Betracht. Bezüglich der Vetternwirtschaft, die angeblich durch den Gemeinderat gepflegt werden soll, führte Dr. Frank aus, daß es nicht abzuläugnen sei, daß wichtige städtische Stellen mit Verwandten von Gemeinderäten rc. besetzt werden und Lieferungen nur an gute Bekannte vergeben werden. Schuhmachermeister Hieke, der dem Gemeinderat nahe steht, habe sich seinerzeit selbst über die ungerechte Lieferungs - Ber -, gebung beschwert. ( Bürgermeister: Wir haben ja gar keine Schusterarbeiten zu vergeben. — Heiterkeit, großer Beifall.) Weiter sprach Dr. Frank über das Vorleben des Rechnungsrates Wopfner. ( Allgemeine Unruhe. Rufe: Das gehört nicht daher! Gemeinheit!) Dr. Frank behauptete ferner, daß GR. Heigl die Asphaltierung der Herzog Friedrichstraße durchführte. ( GR. Heigl ruft: Nicht richtig! Es geschah mit Umgehung meiner Person! Viele andere rufen: Jetzt hat er sich schon wieder blamiert. — Großes Gelächter.) Des weiteren bemängelte Dr. Frank die angebliche Vergebung der städt. DruckarbeiLen an den jeweiligen Herausgeber des „ Tir. Tagblattes " und kritisierte es, daß die Stadt nicht selbst die Lokalbahnen baute. Er trat ferner dafür ein, daß man das Installieren der elektrischen Beleuchtung nicht monopolisieren und auf diese Art das Licht verteuern, sondern den Installateuren bei Wahrung des Überprüfungsrechtes ' freie Hand lassen solle. Auch bezüglich mehrerer Bauangelegenheiten machte Dr. Frank Einwendungen, insbesonders zog er dagegen zu Felde, daß man neben der Kettenbrücke einen Panorama - ' Neubau aufführt, der die Aussicht behindert. (Heiterkeit.) Me Ausführungen des Bürgermeisters über die Erhöhung Her Landeszuschläge zur Hauszinssteuer in Innsbruck entsprächen ebenfalls nicht ganz der Wahrheit. Der Bürgermeister habe die Lage der Stadt stets so rosig dargestellt, daß die Bauern im Landtag natürlich nicht mehr dafür zu haben waren, den niederen Steuersatz für Innsbruck weiter bestehen zu lassen. Auch gegen die allzu üppige Förderung des Fremdenverkehres sprach sich Dr. Frank aus; über die Fremden dürfe man die Einheimischen nicht vergessen. Zum Schluß versicherte der Redner, es sei nicht richtig, daß die Schönerianer diese Vorwürfe nur erheben, um in den Gemeinderat hineinzukommen. Es seien ihnen ja seinerzeit 4 Mandate angeboten worden, sie hätten diese aber nicht angenommen. ( Große Heiterkeit.) Der Bürgermeister stellte, nachdem Dr. Frank seine Rede beendet hatte, fest, daß der Redner 35 Minuten gesprochen habe, und fügte hinzu: Wenn wir in Ihre Versammlungen kämen, so würden wir überhaupt nicht zum Worte gelangen - weil M.! Frank vier Stunden lang redet. ( Heiterkeit.) Bezüglich der Darstellung der Finanzlage Innsbrucks im Landtage sagte der Bürgermeister, die günstige finanzielle Lage der Stadt sei ohnehin kein Geheimnis; wenn er diese aber im Landtage besonders hervorhob, so habe er damit einen bestimmten Zweck verfolgt. Vor einigen Jahren habe sich die Stadt Trlent um eine Anleihe beworben; diese wurde nicht bewilligt, weil in dem Ansuchen auf die schlechte finanzielle Lage der Stadt hingewiesen worden war. Übrigens weiß ja in Tirol jedermann, daß die Finanzlage der Landeshauptstadt, dank unserer „ Mißwirtschaft ", eine vorzügliche ist. (Großer Beifall.) Dr. Fritz Lantschner. Dr. Fritz Lantschner, der mit lebhaften, gemischten Zurufen enrpfangen wurde, begann seine Rede mit einem schwungvollen Ansätze. Man hat verkündet — sagte er — daß man uns heute vernichten werde, daß ein Hochgericht über uns gehalten werden solle. Mit einigen Worten über die Mißfallensbezeigungen der Versammlung lenkte der Redner in ruhigere Bahnen ein. Man habe von „ Verleumdungen " gesprochen; der Landesausschuß habe jedoch ein vernichtendes Urteil gefällt, und die Vertreter des Gemeinderates hätten nicht vermocht, von den Anschuldigungen der Schönerianer nur ein Jöta Lügen zu strafen. Landesausschuß Baron Sternbach, habe dem Redner gegenüber zugegeben, daß die indirekten Umlagen nicht richtig gebucht seien. Um einer ganzen Anzahl von Bewohnern der Stadt zu ihren
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. April 1907, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8176-kritische-rede-dr-frank-gegen-vetternwirtschaft-asphaltierung-und-1907).

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