Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BAKER MEISTERN DEN TARIFSTREIT

Widerlegung der Behauptungen des Bäckerflugblattes durch die Bäckerinnung Innsbrucks

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. Juni 1907 · Seite 13 · #Streik und Unruhen
Die Genossenschaft der Bäcker Innsbrucks ersucht das k. I. Publikum, nachstehende Richtigstellung der wesentlichsten Punkte des erwähnten Pamphletes in Kenntnis Zu nehmen. Es ist eine auch von Gehilfenseite festgestellte Tatsache, daß die Bäckereiarbeiter Innsbrucks auch zum alten Tarif die bestbezahlten Bäcker Oesterreichs waren. Diese Tatsache sollte auch im neuen von den Bäckermeistern vorgelegten Tarif aufrecht erhalten bleiben, mit Ausnahme des Lohnes für jugendliche « Hilfsarbeiter, welche bisher 24 Kronen betragen hatte und in Zukunft je nach der Leistung der Betreffenden 20 — 24 Kronen betragen sollte. Es ist dies, wenn man die Löhne der jugendlichen Hilfsarbeiter in anderen Gewerben in Betracht zieht, gewiß keine schlechte Bezahlung. Alle übrigen Löhne blieben gleich. Im übrigen wurden im neuen Tarif nur einige Punkte, welche den Meistern das freie Verfügungsrecht im eigenen Betriebe einschränken, abgeändert. Auch die Arbeitszeit ist dieselbe geblieben; dieselbe ist gewiß nicht zu lang; in Innsbruck sind nahezu 40 Betriebe, in denen nicht mehr als 7 — 8 Stunden gearbeitet wird. Eine weitere Lüge ist es wenn behauptet wird, daß den Gehilfen der Ersatzruhetag genommen werden soll. Im neuen Tarif wird ausdrücklich erklärt, daß der Ruhetag in der gesetzlich vorgeschriebenen Form eingehalten werde müsse. In den wenigen Bäckereien n o über 10 Stunden gearbeitet wird, entfällt eine Schicht vollkommen. Vollkommen unwahr ist es ferner, daß die Arbeiter gezwungen werden sollten, in Zukunft Kost und Logis wieder beim Meister zu nehmen. Wahr ist, daß es dem jugendlichen Hilfsarbeiter freigestM sein sollte, im Hause des Meisters zu essen und zu schlafen, von einem Zwang ist auch hier nicht die Rede. Weiters erhalten die Arbeiter in allen Betrieben Freigebäck. Wir überlassen es ruhig dem Urteile des Publikums, ob die Behauptungen der Bäckergehilfen über das Streikgebäck wahr sind oder nicht. Es sei nur festgestellt, daß die Erzeugung von Streikgebäck beinahe ganz aufgehört hat, und daß Semmeln, Kipfeln und Parln wie immer, in gleicher Menge und Qualität erzeugt werden. Auf die weiteren Lügen, von denen das Flugblatt strotzt, reagieren wir nicht, dieselben sind zu gemein.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Juni 1907, S. 13, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8209-widerlegung-der-behauptungen-des-baeckerflugblattes-durch-die-1907).

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